Ein Biotop im Kulkwitzer See?
Da Tauchen in Gemeinschaft einfach mehr Spaß macht, gründeten einige Tauchsportler 1993 den Verein Tauchsportverein
Leipziger Delphine e.V. , dem zuerst etwa 30 Taucher angehörten. Inzwischen hat sich die Mitgliederzahl auf 160
erhöht, darunter auch 19 Tauchlehrer und Übungsleiter, sowie eine 25 köpfige Kinder- und Jugendgruppe.
Die "Leipziger Delphine" sind ständig in Aktion, sei es beim Planen und Umsetzen von besonderen Veranstaltungen
oder außergewöhnlichen Projekten. An dieser Stelle sei .z.B. rückblickend aufmerksam gemacht auf den
Unterwasserpark im Kulkwitzer See, das traditionelle jährliche Neptunfest oder das Friedenstauchen und
die Umwelttage:
Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen... Weitere Informationen zum Verein auf unseren Webseiten im News-
und Pressearchiv und natürlich unter: www.leipziger-delphine.de. Aktuelle Termine für
2008: http://www.kulkwitzersee.com/services/events/.
Seit 2005 gehört Matthias Fäller zum Tauchsportverein Leipziger Delphin e.V.. Als Mitglied der Biogruppe ist
er an den Aktivitäten der Leipziger Delphine zur Bereicherung des Lebensraum Kulkwitzer See beteiligt. Zwei bis
drei Wochenenden im Monat verbringt er an der Tauchbasis am Lausener Strand und nutzt den See so intensiv zum
Tauchen und Fotografieren. Die Unterwasserwelt des Sees ist für mich als "Landratte" geheimnisvoll. Doch
Gespräche mit den "Delphinen" lüften dieses oder jene "Geheimnis. Matthias Fäller beantwortete mir einige
Fragen, die Projekte in diesem Jahr betreffen:
E. Göbel:
Welche sind die aktuellen Projekte der Leipziger Delphine am bzw. im Kulkwitzer See?
M. Fäller:
Zur Zeit arbeitet unser Verein:
- an der Errichtung einer Ausbildungsplattform an der Einstiegsstelle 3 (Zeltplatz), Projekt zu 95% fertig
- am Ausbau der 5 m "Stufenplattform" zum Biotop Einstiegsstelle 2 (Lausen) die Bautätigkeit ist abgeschlossen, das Biotop steht jetzt unter Beobachtung
- am Ausbau der 20m Plattform zum "Außenriff", so der vereinsinterne Name der Aktion an der Einstiegsstelle 2 (Lausen).
E. Göbel:
Wer schafft denn die ganzen technischen Voraussetzungen?
M. Fäller:
Die großen technischen Voraussetzungen für einen Teil der Arbeit der Biogruppe, nämlich den Plattformbau und den damit
verbundenen immensen Aufwand an Arbeitszeit, werden von der Technikgruppe um Herrn Starke und Herrn Drößler erbracht,
die auch Mitglieder unseres Vereins sind. Die Ideen stammen meist von Reinhard Gräfe. Bei biologischen Fragen
unterstützt die Vorhaben Dr. Joachim Weiß. Er ist Diplombiologe, Taucher, Unterwasserfotograf und Leiter der
Arbeitsgruppe Biologie des Vereins. Je nach Möglichkeit wird dann durch Vereinsmitglieder an den Bau- und Bioprojekten
gearbeitet.
E. Göbel:
Wozu dienen die Plattformen?
M. Fäller:
Der Kulkwitzer See wird von vielen einheimischen und vielen, teilweise weit anreisenden Tauchern besucht. Viele
dieser Tauchgruppen nutzen die hervorragenden Bedingungen des Sees zur Durchführung von Tauchausbildungen.
Nun hat der See in allen Bereichen ohne dichten Bewuchs jedoch eine sehr leicht aufzuwirbelnde feine Sedimentschicht.
Taucher in der Grundausbildung, also welche die noch nicht frei schweben gelernt haben, und Taucher mit
fortschreitenden Ausbildungsprofilen dürfen sich nicht einfach auf den Grund knien, da bereits leichte
Flossenschläge in Grundnähe die Sicht durch aufgewirbeltes Sediment verschlechtern. Dieses Sediment verschlechtert
aber nicht nur die Sicht, sondern hemmt natürlich den Lichtdurchsatz im See und somit das Pflanzenwachstum. Auch
das Absetzen des Sediments auf den Pflanzen unterdrückt das Sonnenlicht. Sich einfach auf die vorhandenen
Grünflächen zu setzten, widerspricht jeglichem taucherischen Grundgedanken, nämlich keinen Lebewesen, somit
auch den Wasserpflanzen, keinen Schaden zuzufügen. Abhilfe schaffen hier die so genannten Ausbildungsplattformen.
Diese, aus Gerüstbaumaterial errichteten künstlichen Flächen sind optimal für die Nutzung zur Tauchausbildung
konzipiert und bilden an der Einstiegsstelle 2 (Lausen), zukünftig auch an der Einstiegsstelle 3 Zeltplatz, ein
optimales Angebot für alle benötigten Tauchtiefen von 3m bis 18m Wassertiefe.
E. Göbel:
Also erfüllen diese Plattformen 2 Aufgaben. Zum einen ermöglichen sie eine fundierte Taucherausbildung, zum
anderen wird die Unterwasserwelt, somit der See geschützt. Welche Aufgabe hat dabei die Biogruppe?
M. Fäller:
Nach intensiven Beobachtungen der Flora und Fauna durch unsere Biogruppe um Dr. Joachim Weiß wurde mit Reinhard
Gräfe eine Idee auf den Weg gebracht, die zu einer nahezu traumhaften Entwicklung geführt hat: Warum die
Plattformen nur zur Ausbildung nutzen? Die Plattformen sind ja hoch gebaut. Die zur Verfügung stehenden Flächen
bzw. Volumen können auch gut als Rückzugszonen und Laichplätze für Fische dienen sowie als Siedelflächen für
Wasser reinigende Tiere und Pflanzen dienen wie Dreikantmuscheln, Süßwasserschwämme und nützliche
Algenarten (z.B. Grünalgen, die Photosynthese betreiben). Die zusätzlichen Flächen können von Mikroorganismen
besiedelt werden, die das Nährstoffgleichgewicht des Sees positiv beeinflussen.
E. Göbel:
Wie erreicht man das?
M. Fäller:
Ende 2006 wurde damit begonnen, die 5 Meter Stufenplattform mit Reisigbündeln "auszustopfen". Bereits nach
einigen Monaten waren diese von Algen besiedelt. Es stellten sich zur großen Freude aller erste Fische als
Besucher ein. Ganze Fischschwärme kamen ständig als Gäste, zuerst nur nachts, ab Sommer 2007 auch ganztägig.
Diese ließen sich auch nicht von Tauchern, die auf der Plattform übten, stören und dienten sogar zu
Bereicherung des Tauchsport-Erlebnisses oder als Fotomotiv für ganze Gruppen von Fotografen und Filmern.
Parallel dazu haben wir die große Ausbildungsplattform im Inneren mit ausgedienten Tannenbäumen ausstaffiert.
Die Bäume sind an eigens dafür gespannten massiven Stahlseilen befestigt. Zusätzlich wurde als Rückzugsraum
ein Gerüstbaunetz auf zwei Seiten der Plattform gespannt. Die Netze sind inzwischen mit Grünalgen bewachsen.
E. Göbel:
Tannenbäume im See und ein Rückzugsraum für die Fische - was konnten Sie beobachten?
M. Fäller:
Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten. Waren anfänglich nur wenige Barsche im Bereich der im
Tiefwasser stehenden Plattform zu sehen, wurden es zusehends mehr Tiere. Diese eigentlich nur in 2-5er
Gruppen anzutreffenden Fische gefiel die Plattform so gut, dass hier jetzt ständig bis zu 30 Fische
anzutreffen sind. Nun stellten sich auch Hechte ein. Die Gerüstrohre als perfekte Tarnung für ihre
Raubzüge nutzend, stehen sie parallel zu den Rohren auf Beute wartend. Gleichzeitig begann die Besiedelung
der eingebrachten Materialien. An den Gitterrosten der Plattform siedeln bereits erste Dreikantmuscheln
(Dreissena polymorpha) und Süßwasserschwämme aus der Familie (Spongillidae). In der noch andauernden
Wintersaison 2007/08 wurde schon mehrfach Schwärme mit jungen Barschen im Bereich von 20m gesichtet,
natürlich immer im Schutz der eingebrachten Tannenbäume. Das Jahr zuvor, also ohne die Biotop fördernden
Maßnahmen war dort kein Tier zu sehen.
Abschließend sind die bisherigen Aktivitäten also sehr erfolgreich
gewesen. Diese positive Entwicklung wird sicher zum Anlass genommen auch der Plattform an der
Einstiegsstelle 3 (Zeltplatz) eine ähnliche zusätzliche Funktion zu verleihen.
E. Göbel:
Herr Fäller, herzlichen Dank für den interessanten Einblick in die Unterwasserwelt des Kulkwitzer Sees
und für Ihre freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages. Wir würden uns freuen, wenn
Sie uns und den Besuchern dieser Webseite bei passender Gelegenheit weitere Neuigkeiten und Wissenswertes
aus "Neptuns Reich" berichten würden.
Links zum Thema:
• Das Delphinarium berichtet zum Thema unter Ausgabe 2007/2 Seite 2, Ausgabe 2007/3 Seite 1, Ausgabe 2008/1 Seite 4
• Stadtteilzeitung Grün-AS: Unterwasser-Porsche Delphine mit neuem Projekt
Weitere Artikel auf unseren Seiten von Dr. Joachim Weiß:
• Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Krebstiere im Kulkwitzer See
• Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Im Kulkwitzer See beobachtet - Fischputzplätze
• Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Neues aus dem Kulkwitzer See - Das Nixenkraut
• Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Schwämme zeigen: Wasserqualität ist spitze
• Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Schneebedeckte Minibäumchen im Kulki
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| Weitere interessante Informationensbereiche auf unseren Internetseiten: |
• Jahrgänge des Magazin Grün-AS: Ausgaben der Jahre 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006 sowie der Jahrgang
2007
• Jahrgänge unserer Presseinformationen: Artikel der Jahre 1992, 1993, 1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007 sowie Jahrgang 2008
• Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
• Allgemein:
Spaziergang rund um See, Historisches, Aktuelle Veranstaltungen am Kulkwitzer See oder auch Digitale Grußkarten vom See
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| Rückblick auf 30 Jahre Leipzig-Grünau - Special zum Jubiläum 2006 |
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• Informationen, Wissenswertes und Presseartikel zum Jubiläum "30 Jahre Leipzig-Grünau" 2006 finden Sie unter www.30-jahre-gruenau.de.
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