Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Winter
Winter? Gibt es den überhaupt noch? Es wird zunehmend milder und kaum ein Experte zweifelt noch prinzipiell daran, dass die
Erde durch uns aufgeheizt wird. Heftig gestritten wird darüber, wie schnell das geht, wie weit und was das für einzelne
Regionen bedeutet. Die letzten sehr milden Winter sind hauptsächlich dadurch verursacht, dass das wärmer werdende Wasser
des Nordatlantik ein Tiefdruckgebiet über Island stärkt. Das schickt uns feuchte und milde Meeresluft und hält uns das
Osteuropahoch mit viel Sonne und krachender Kälte vom Hals. In den nächsten Jahren werden sich die neuen Seen um Leipzig
zunehmend in unser Wetter einmischen. Sie nehmen dem Winter die Kälte und dem Sommer die Hitze. Da sie viel Wasser
verdunsten, wird es auch mehr regnen, vor allem kräftige Gewitter und Wolkenbrüche werden durch die Seen gefüttert.
Und es wird windiger, da sich vor allem im Sommer zwischen dem Leipziger Stadtzentrum und den Seen ein erhebliches
Temperaturgefälle aufbauen kann. Die Betreiber von Windkraftanlagen wissen das jetzt schon zu schätzen. Leipzigs
Stadtplaner, einige Nachbarn der Windräder und Teile des Naturschutzbundes schätzen die Windräder allerdings weniger.
Wenn die Prognosen stimmen, werden Winter, in denen der See zufriert, immer seltener werden.
Über Schneemangel werden wir uns vorerst nicht beklagen müssen, aber er wird nicht lange liegen bleiben. Zu kurz
für Wintersport. Ich hoffe, Frau Göbel wird reichlich die tiefverschneite Landschaft um den See mit im Schnee
herumtobenden Kindern fotografieren, damit wir in 10 oder 20 Jahren unseren Kindern oder Enkeln zeigen können, wie
es hier früher einmal war. Die milderen Winter und das reichliche Futterangebot durch weggeworfene Abfälle machen
sich auch immer mehr Vögel zu nutze. So bleiben zum Beispiel Singdrosseln im Winter zunehmend hier. Auch die Stare
geben zunehmend ihre Wanderlust auf. Ein Großteil der Stare, die bei uns im Winter in großen Schwärmen umherziehen,
kommt aber aus dem Norden und überwintert hier nur.
Wenn kleinere Gewässer zugefroren sind, bekommt der See noch einmal Zuwachs. Verschiedene Wasservögel zieht es dann zum
offenen Wasser. Dann lassen sich zum Beispiel Zwergtaucher gut beobachten. Die kleinen Verwandten des Haubentauchers sind
eigentlich recht häufig, aber im Sommer schwer zu beobachten, weil sie sich fast immer im dichten Gewirr der Schilfgürtel
aufhalten. Jetzt im Winter suchen sie die Nähe der größeren Wasservögel, dort sind die Chancen größer, dass das Wasser
offen bleibt. Das ist eine Existenzbedingung für die Zwergtaucher: Sie jagen unter Wasser nach Insekten, Würmern und
kleinen Fischen. Im Winter lassen sich auch größere Gruppen von verschiedenen Wildenten beobachten, neben der überall
häufigen Stockente (die meist einfach Wildente genannt wird) sind das vor allem Tafelenten (die Männchen haben einen
rostroten Kopf, Stockentenerpel zeigen sich in blau-grün) und Reiherenten (schwarz-weiß, die Erpel haben einen kleinen
Schopf schwarzer Federn am Hinterkopf, daher der Name). Tafelenten galten früher als besondere Delikatesse, davon haben
sie ihren Namen erhalten. Sie sind kleiner als die Stockenten und liegen tiefer im Wasser, weil sie relativ schwerer sind.
Das erleichtert das Tauchen und Gründeln. Leider brüten die meisten dieser einheimischen Wintergäste am See noch nicht. Es
gibt noch zu wenig Schilfgürtel und flache sumpfige Uferregionen. Gleich bei Göhrenz hat sich aber eine flache Bucht
gebildet und an einigen Stellen beginnen sich Schilfgürtel auszubreiten. Die sollten geschützt und gefördert werden. Sie
bieten den Wasservögeln nicht nur mehr Brutplätze, sondern entziehen dem Wasser auch erhebliche Mengen an Nährstoffen und
helfen chemische Verunreinigungen abzubauen (von Hautcremes und Sonnenschutzmitteln zum Beispiel, die beim Baden
abgewaschen werden).
Im Winter macht sich auch eine andere Unsitte breit: Das Füttern der Wasservögel. Sinnvoll ist es nur, wenn alles
langanhaltend tief verschneit ist und der See bis auf einige künstlich freigehaltene Wasserlöcher zugefroren ist, so dass
die Vögel in der freien Natur wirklich nichts mehr finden. Davon abgesehen schadet es mehr als es nützt. Der See wird
erheblich verschmutzt. Auch geschwächte Tiere überleben dank des Futters den Winter und helfen Seuchen auszubreiten. Es
sind auch nur relativ wenige Arten wie Schwäne, Stockenten, Blesshühner und Möwen, die so wenig Scheu haben, dass sie nahe
herankommen und sich auf den Futtersegen stürzen. Diese Arten werden in Scharen angelockt und verdrängen andere, scheuere.
Das Füttern sollte bei offener Wasserfläche unterbunden werden. Wer seinen Kindern Wasservögel aus der Nähe zeigen will,
gehe in den Zoo! Schon Ende Januar beginnt sich die Natur wieder kräftiger zu regen. In geschützten Kleingärten wagen
sich die ersten Schneeglöckchen hervor. Am See beginnen die Haselnusssträucher zu blühen. Weidenkätzchen öffnen sich.
Die Vögel kommen in Bewegung. Bei warmem Wetter tauchen die ersten Zugvögel schon im Februar wieder auf. Um bis zu zwei Wochen früher regt sich
die Natur im Vergleich zur Zeit vor 20 Jahren. Und im Herbst dauert es immer länger, bis der Boden auch am Tage gefroren
bleibt (das ist der Beginn des Winters in der Natur). Eigentlich beschränkt sich der Winter bei uns inzwischen nur noch auf
den Januar. Dann beginnt mit den Schneeglöckchen der Vorfrühling. In 10 oder 15 Jahren wird dann der Herbst nahtlos in den
Frühling übergehen. Der Winter ist bei uns eine aussterbende Jahreszeit. Das hat Konsequenzen. In zwei Gärten in Seenähe
habe ich ausgepflanzte Lorbeerbüsche entdeckt. Einen richtigen Winter mit Temperaturen unter -15° Nachtfrost würden sie
nicht überleben. Immer mehr Pflanzen aus wärmeren Regionen erobern vorerst die Gärten. Es gibt sogar einige Palmenarten,
die die Winter der letzten beiden Jahre ohne besonderen Schutz ausgepflanzt im Freien überlebt hätten. Die härteste Art,
die bis 4m hohe Hanfpalme verträgt bis -15°C, fast genauso viel hält die bis 20 m hoch werdende Sabalpalme aus.
Wer weiß, vielleicht werden wir schon bald unter Palmen am Ufer des See entlang spazieren. Leider kommen aber mit der
Erwärmung nicht nur subtropische Pflanzen zu uns, sondern auch etliche Tiere, die uns noch stark zu schaffen machen können.
Immer mehr Insekten überleben den Winter, darunter auch Schädlinge, die nun in großer Zahl gleich im Frühjahr zum Kahlfraß
starten können. So eine ungebetene Einwanderin aus dem Süden, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen sorgte, ist die
Kastanienminiermotte. Viel schlimmer ist, dass sich auch tropische Krankheiten wie die Malaria wieder nach Norden
ausbreiten. Im Altertum, als es bei uns schon einmal deutlich wärmer war als heute, gab es auch in Mitteleuropa Malaria.
Eigentlich leben wir ja in einer Zwischeneiszeit und manche Wissenschaftler vermuten, dass die vor 600 Jahren einsetzende
Abkühlung, die heute kleine Eiszeit genannt wird, der Beginn der nächsten Eiszeit war und ohne unser Zutun schon in 500
Jahren Mitteleuropa wieder vereist wäre. Mit der verstärkten Produktion von CO2 und anderen Treibhausgasen haben wir
Menschen das erst gestoppt, dann umgekehrt. Die Natur wird das überleben. Sie hat in der Geschichte der Erde schon
schlimmere Klimmakapriolen durchstanden. In Frage gestellt ist durch die menschgemachte Erwärmung nicht die Natur, sondern
die Lebensbedingungen der Menschen und ihrer Gesellschaft in vielen Ländern.
Bilderserien zur Flora und Fauna des Kulkwitzer See und weitere interessante Links:
• Bilderserie Flora und Fauna am Kulkwitzer See: Frühling,
Sommer,
Herbst sowie Bilderserie
Winter
• Themenbezogene Artikel: Flora und Fauna am Kulkwitzer See im
Frühling,
Sommer sowie Artikel Flora und Fauna im
Herbst
• Ökolöwe Umweltbund Leipzig e.V.,
Naturschutzbund Deutschland - Landesverband Sachsen e.V. sowie
die Website von Dr. Leonhard Kasek
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• Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
• Allgemein:
Historisches, Aktuelle Veranstaltungen am Kulkwitzer See oder auch Digitale Grußkarten vom See
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• Informationen, Wissenswertes und Presseartikel zum Jubiläum "30 Jahre Leipzig-Grünau" 2006 finden Sie unter www.30-jahre-gruenau.de.
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