Naturschützer wollen Pappeln erhalten

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Im absterbenden Gehölz nahe Markranstädt seltene Orchideen heimisch / Forstbehörde hält mittelfristig Waldumbau für nötig

Große Sorgen machen sich Naturschützer um den Pappelwald am Kulkwitzer See und die darin vorkommenden seltenen Orchideenarten. Nachdem bei Aufforstungsarbeiten am Stöhnaer Becken das größte Vorkommen geschützter Pflanzen im Südraum Leipzig zerstört wurde( die LVZ berichtete), befürchten sie ähnliches nun am Kulkwitzer See. Die zuständige Forstbehörde beruhigt. Am See sei vorerst nichts geplant.

"Vier bis fünf Knabenkrautarten, zwei Händelwurzarten, das Bleiche Waldvöglein, das Große Zweiblatt - hunderte geschützte Arten leben auf der ehemaligen Tagebaukippe unter den Pappeln", sagt Leonhard Kasek. Der Vorsitzende des Naturschutzbund- Kreisverbandes Leipzig sorgt sich um die Pflanzen, seit im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass die langsam absterbenden Pappeln am Kulkwitzer See durch einen Laubwald ersetzt werden sollen. "Unter einem lichten Baumdach hätten die Orchideen keine Chance", meint e rund erklärt das mit den Besonderheiten der Pflanzen. Die würden in einer Art Symbiose mit so genannten Mykorhizapilzen leben und seien auf nährstoffarme Böden angewiesen. Pilz und Orchidee zusammen könnten dem Boden die lebenswichtigen Bestandteile entziehen, seien alleine nicht lebensfähig. "Daher bringt es auch nichts, wie von Kleingärtnern immer wieder versucht, Orchideen auszugraben und im Garten einzusetzen", so Kasek. Die würden alle eingehen. Auf der Kippe sei zum Beispiel schon ein sehr seltener Frauenschuh ausgebuddelt worden - "und nachwachsende Pflanzen wurden von Nacktschnecken gefressen", bedauert er.

Pappelbestände seien geradezu ideal für die Orchidee, weiß auch der Naturschutzbeauftragte der Region, Hans-Henning Becker. Die ehemalige Kippe am Kulkwitzer See sei dabei noch etwas Besonderes, da in ihrem Unterbau viel Kies und grobe Erde eingebaut wurde, der Standort damit eher trocken ist- "ideal für die seltenen Pflanzen", erklärt Kasek.

Er möchte erreichen, dass die Pappeln ihrem Alter entsprechend langsam eingehen und sich dort einheimische Arten von selber ansiedeln können. "Natur kann sich dynamisch im absterbenden Wald entwickeln, nicht im gepflanzten Forstacker", meint er. Mit einem Waldumbau, wie von der Forstbehörde vorgeschlagen, werde die Artenvielfalt nicht langfristig erhöht, sondern vermindert.

Die Forstverwaltung hatte im vergangenen Jahr angekündigt, den Pappelbestand auf der Kippe nicht erhalten zu wollen. Mittelfristig stelle sich die Frage nach einem Umbau in vitale, standortgerechte Bestände, bestätigt der Leiter des Sächsischen Forstbezirkes Leipzig, Andreas Padberg.

Daher habe das ehemalige Fortsamt vor zwei Jahren eine Referendararbeit dazu anfertigen lasen. "Tenor war, die Fläche über einen langen Zeitraum immer nur partiell mit überwiegend heimisvher Eiche umzubauen", erinnert er sich. Damit sollte Schutz und Erholung im Wald gesichert, die Sicherheit auf den Wegen erhalten und den Orchideen die Möglichkeit gegeben werden, in neue Quartiere auszuweichen.

Eigene Maßnahmen plane der Forstbetrieb nicht. Die Flächen gehörten überwiegend der Treuhandnachfolgerin BVVG. Da der Bewirtschaftungsvertrag abgelaufen ist, sei nunmehr das ehemalige Bundesforstamt zuständig, so Padberg. Die Stelle sei auf das Orchideen- Vorkommen hingewiesen worden. Letztlich werde wohl nach einer Privatisierung der neue Eigentümer entscheiden. Der Forstbezirk werde den beraten, betreuen und gegebenenfalls auf seine Pflichten hinweisen.
Leipziger Volkszeitung - Jörg ter Vehn [10.01.2006]
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