Nächtliche Schneckenjagd im Garten: Der Igel ist "Wildtier des Jahres 2009"
Sinken die Temperaturen auf den Gefrierpunkt, suchen die Igel ihre Winterquartiere auf.
18. November 2008: Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) hat den Igel zum "Wildtier des
Jahres 2009" gekürt. Zusammen mit den Maulwürfen und den Spitzmäusen zählt der Braunbrust-Igel
(Erinaceus europaeus) zur Ordnung der Insektenfresser. Wie viele andere Arten zieht es auch Igel
aus der ausgeräumten Landschaft zunehmend in menschliche Siedlungen. Hier finden sie Lebensraum,
Nahrung und Unterschlupf. In Grünau und Umgebung sind Igel überall recht häufig. In der
Agrarlandschaft in der weiteren Umgebung gibt es dagegen kaum noch Igel. Gifte, der Mangel
an Nahrung und der Mangel an Verstecken haben ihnen dort wie vielen
anderen Tieren die Existenzgrundlage genommen.
Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben ein breites Nahrungsspektrum: Sie fressen Laufkäfer,
Larven von Nachtschmetterlingen und sonstige Insekten, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Hundert-
und Tausendfüßer sowie Spinnen. Vor allem die spanischen Nacktschnecken fressen Igel erst, wenn
sie nichts anderes finden. Diese Nacktschnecken sondern bei Gefahr sehr viel zähen Schleim ab,
um Feinde abzuschrecken. Igel sind keine Vegetarier, sie fressen im Garten kein Obst und kein
Gemüse.
Jungigel
Die Hauptfortpflanzungszeit liegt zwischen Juni und August. Nach etwa 35 Tagen Tragzeit
kommen vier bis fünf Jungigel zur Welt. Diese sind bei der Geburt 12 bis 25 Gramm schwer,
rund sechs Zentimeter lang und tragen etwa 100 weiße Stacheln - Erwachsene Igel haben
hingegen 6000 bis 8000 Stacheln -, die in die aufgequollene Rückenhaut eingebettet sind.
Augen und Ohren beginnen sich erst nach zwei Wochen zu öffnen. Die Igeljungen werden rund
42 Tage gesäugt. Kurz danach sind sie selbständig und bei der Futtersuche auf sich selbst
angewiesen. In diesem Lebensabschnitt beträgt ihr Gewicht etwa 300 Gramm. Igel halten
Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um den
Gefrierpunkt ein Winterquartier auf, zum Beispiel Laub- und Reisighaufen. Entgegen ihrer
sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere
die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige Fettreserven
anfressen. Während des Winterschlafs verlieren Igel 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts.
Igel wiegen je nach Jahreszeit und Geschlecht im Durchschnitt rund ein Kilogramm - zwischen
800 und 1500 Gramm. Bringen Jungigel Anfang November, im Flachland etwa Mitte November,
weniger als ein Pfund auf die Waage, sind sie als hilfsbedürftig einzustufen. Allerdings
sind auch erfolgreiche Überwinterungen bedeutend leichterer Tiere bekannt geworden. Ihr
Winterquartier nutzen sie bei Schlechtwetterperioden bis in den April und Mai. Interessante
Gegenstände pflegen Igel ausgiebig zu beschnuppern, zu belecken und durchzukauen. Dabei
entsteht eine weißschaumige Speichelabsonderung. Dieser Vorgang ist natürlich, harmlos und
hat mit Tollwut nichts zu tun. Igel sind aus verschiedenen Gründen gefährdet: Siedlungen
und Straßenbau schränken ihren Lebensraum ein, auf Straßen kommen jährlich hunderttausende
zu Tode und in Gärten fehlt es häufig an Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung. Igel
benötigen giftfreie Gärten, vor allem Schneckenkorn und Rattengift können ihnen zum Verhängnis
werden. Daher empfehlen sich grundsätzlich Alternativen zum Gifteinsatz. Ist eine
Rattenbekämpfung unumgänglich, sollte diese fachkundig durchgeführt werden. Dabei sollte
der Giftköder in verdeckten Behältnissen liegen und für Igel nicht erreichbar sein.
Natürliche Feinde sind vor allem Fuchs, Uhu und Wildschweine.
Was kann der Einzelne tun?
Fast jeder kann in seinem Bereich etwas für Igel tun, sei es als Haus- oder Gartenbesitzer
oder als Autofahrer. In Grünau bieten sich vor allem die Vorgärten an den Wohnhäusern an.
Hier einige Tipps im Überblick:
- Bieten Sie in Ihrem Garten Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten wie niedriges Buschwerk, Laub- und Reisighaufen für Igel an. Die beste Igelhilfe ist eine naturnahe Gestaltung des Gartens!
- Schaffen Sie Überwinterungsquartiere, indem Sie z.B. ein Igelhäuschen bauen. Verzichten Sie auf englischen Rasen und exotische Gehölze im Garten. Gestalten sie Ihren Garten ohne kleinmaschige Zäune, damit sich Igel frei fortbewegen können.
- Kein Abbrennen von Reisighaufen ohne vorheriges vorsichtiges Umsetzen. Vorsicht beim Mähen sowie bei Aufräumungs- und Rodungsarbeiten: In Haufen und Holzstapeln können sich Igelnester befinden!
- Kellerschächte, Gruben etc. sind Tierfallen, die abgedeckt werden sollten.
- Baugruben, Kabel- und ähnliche Gräben (auch an Straßen) auf hineingefallene Igel kontrollieren und Opfer aus ihrer mißlichen Lage retten.
- Rettungsplanken für Teiche bzw. an Wasserbecken mit steilem, glattem Rand anbringen, damit sich Igel im Notfall selbst retten können.
- Keine Schlagfallen aufstellen oder Schutznetze gegen Vögel am oder bis zum Boden verwenden.
- Kein Chemieeinsatz im Garten: Schöpfen Sie bei der Schädlingsbekämpfung umweltverträgliche Alternativen aus.
- Sorgen Sie regelmäßig für frisches Trinkwasser, z.B. mit einem Vogelbad oder einer Vogeltränke im Garten.
- Verzichten Sie auf Laubsauger.
- Fahren Sie im nächtlichen Straßenverkehr "igelbewusst": Zusammengerollte Igel "zwischen die Reifen nehmen" (bei 15cm Bodenfreiheit). Besonders im Herbst ist mit Igeln in der Dämmerung zu rechnen.
Unterstützen Sie den Nabu und den Ökolöwen, Behörden und Politiker bei den Forderungen nach
einer Verbesserung der ökologischen Rahmenbedingungen für den Tier-, Arten- und Biotopschutz
sowie für eine umweltverträgliche Landwirtschaft, Ökonomie und Raumordnung. 2009 sind Wahlen.
Fragen Sie die Kandidaten in Ihrem Wahlkreis, was sie für den Naturschutz und den Umweltschutz
tun wollen und wählen Sie naturbewusst.
Pflegefall: Hilfsbedürftige Igel erkennen
Ziel der Igelbetreuung ist es, dass die Tiere alleine in ihren Lebensräumen überleben und
nicht aus übertriebener Sorge in menschliche Abhängigkeit geraten. Darum sieht das Naturschutzgesetz
nur wenige, kritisch zu prüfende Ausnahmesituationen vor, in denen Igel vorübergehend in Pflege
genommen werden dürfen. Wenn verletzte, kranke oder verwaiste Tiere Hilfe brauchen, muss diese
artgerecht und fachkundig bei erfahrenen Igelbetreuern mit Unterstützung erfahrener Tierärzte
erfolgen. Hilfsbedürftige Igel sind:
- Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden und noch geschlossene Augen haben. Bei einer Unterkühlung mutterloser Igelkinder fühlt sich das Tier an der Bauchseite deutlich kühler an, als die eigene Hand. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, das Nest und seine Umgebung einige Stunden zu beobachten.
- Kranke Igel suchen ihr Futter auch tagsüber. Sie fallen durch unsicheren Gang auf oder liegen apathisch und rollen sich kaum noch ein. An der Einbuchtung hinter dem Kopf und herausstehenden Hüftknochen erkennt man, dass es sich um abgemagerte Tiere handelt. Ihre Augen stehen nicht halbkugelförmig hervor, sondern sind eingefallen und schlitzförmig. Auf kranken Tieren sitzen zudem oft Fliegen und legen ihre Eier ab. Allerdings darf man tagaktive, kranke Igel nicht mit säugenden Müttern verwechseln, die auch am Tag auf Futtersuche gehen, weil sie einen erhöhten Nahrungsbedarf haben und zwischen mehreren Ausweichquartieren hin- und herpendeln.
- Verletzte Igel, die z.B. an Straßen oder in Gruben gefunden werden, benötigen ebenso Hilfe wie Tiere, die über längere Zeit ohne Wasser und Futter gefangen waren.
- Igel, die nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen, sind ebenfalls hilfsbedürftig. Bei diesen Tieren handelt es sich um kranke oder schwache Alttiere oder aber spät geborene Jungigel, die sich kein ausreichendes Fettpolster anfressen konnten. Zufütterung nur in Ausnahmefällen im Spätherbst und Frühjahr. Fütterung lockt Ratten, Mäuse und Hunde an!
Ausnahmefall: Erste Hilfe für Igel
Igel sind Wildtiere, keine Haustiere. Zufüttern ist bei Igeln nur vor und nach dem Winterschlaf
als kleine Unterstützung gerechtfertigt. Nicht artgerechtes Futter führt zu Verdauungsstörungen,
zudem werden an Fütterungsstellen leicht Infektionskrankheiten übertragen. Gefüttert werden
sollten nur nicht verderbliche Hundetrocken- oder Softfutter, auf keinen Fall Speiseresten,
Dosenfutter oder Katzennahrung. Milch wird von Igeln zwar getrunken, sollte aber dennoch nicht
angeboten werden, da es aufgrund ihres hohen Milchzuckergehaltes zu Durchfall kommen kann.
Schwachen Tieren flößt man mit einer Plastik-Einwegspritze (ohne Nadel) ungesüßten Fenchel-
oder Kamillentee ein. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss der Tierarzt
aufgesucht werden! Besonders in der warmen und trockenen Jahreszeit ist für Igel eine Wasserstelle
wichtig. Sie muss saubergehalten und das Wasser täglich erneuert werden.
Unterkühlte Igel werden gewärmt. Hierzu umwickelt man eine lauwarme Wärmflasche mit einem
Frotteehandtuch und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel
und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu. Alternativ kann eine Tischlampe (25 Watt, im
Abstand von ca. 20 bis 25 cm) benutzt werden. Kein Rotlicht oder Heizkissen verwenden, nicht
baden. Fliegeneier und -maden, Flöhe, Zecken sollten entfernt werden. In jedem Fall und so bald
wie möglich sollte ein Tierarzt oder eine Igelstation aufgesucht werden. Adresse: Igelschutzzentrum
Leipzig, Telefon: 0341 4247662, Email: info@igelschutzzentrum.de, Internet: www.igelschutzzentrum.de
Gesunde Igel umgehend freilassen!
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