Der Laubfrosch - Lautstarker Wetterprophet, Märchenfigur und Kletterkünstler

zurück zur Übersicht "Flora und Fauna am Kulki" - Tierwelt
Laubfrosch - Foto: Nabu e.V. Früher kannte ihn jedes Kind: kräftig grüner Frosch mit Saugnäpfen an den Zehen. Der Laubfrosch wurde zum Frosch des Jahres 2008 gewählt. Früher war er überall verbreitet. Im Märchen vom Froschkönig der Gebrüder Grimm ist er gar ein verzauberter Prinz. Weil den Insekten, seiner Beute nachsteigt, ist er in den Ruf gekommen, das Wetter prophezeien zu können, wenn die Insekten bei Hochdrucklagen gern weiter oben fliegen, klettert auch der Laubfrosch hoch hinauf, bei Tiefdruckgebieten bleiben die Insekten lieber in Bodennähe und so auch ihre Jäger. Bei uns ist der Laubfrosch inzwischen vom Aussterben bedroht. Und selbst europaweit sind die Bestände so selten, dass der Laubfrosch seit 1992 im Anhang IV der Europäischen Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-RL) geführt wird. Seither besteht in der ganzen Europäischen Union die rechtliche Verpflichtung, die Art bzw. deren Populationen in einem "günstigen Erhaltungszustand" zu bewahren und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Laubfrosch-Gewässer entstanden früher in den Auen unserer Flüsse und Bäche immer wieder neu in den Überschwemmungsflächen. In Zeiten kanalisierter Flussläufe und weitreichender Zerstörung der Auenlandschaften durch Verfüllung, Bebauung, Flurbereinigung und intensiver Landnutzung aber ist der Laubfrosch zu einem König ohne Reich geworden. Wo er überlebt hat, sind die Restbestände heute oft isoliert. Vernetzung und genetischer Austausch sind kaum noch gegeben.

Das ideale Laubfroschgewässer ist flach, gut besonnt und vor allem fischfrei. Es weist hohe Wassertemperaturen auf und ist von Wiesen oder Weiden umgeben. Der Laubfrosch ist konkurrenzschwach: er überlebt am besten in neu entstandenen oder nur zeitweise existierenden Kleingewässern, die nur von wenigen anderen Tieren besiedelt sind. Denn die Kaulquappen des Laubfrosches schweben frei im Wasser und verstecken sich nicht wie die Larven anderer Amphibien. In länger bestehenden Gewässern, in denen auch Fische dauerhaft überleben können, werden sie deshalb zum "gefundenen Fressen" für diese. Die flachen Bereiche der Laubfrosch- Wohngewässer dürfen deshalb im Sommer durchaus austrocknen, denn nur so ist garantiert, dass Fische als Fressfeinde im Laubfroschteich nicht überleben können.

Außerhalb der Laichzeit hält sich der Laubfrosch überwiegend an Land auf, wo er sich - eine Besonderheit unter den heimischen Amphibien - gerne auf über ein Meter hohen Stauden, Büschen und Sträuchern sonnt oder nach Insekten oder Spinnen als Nahrung sucht. Vor allem im Herbst klettert er aber auch höher hinauf bis in Baumkronen.

Unter den Krachmachern und Krakeelern nehmen die kleinen grünen Froschkönige im Tierreich einen Spitzenplatz ein. Die Ruflautstärke in 50 cm Entfernung kann bis zu 90 dB erreichen. Schon 10 oder 20 rufende Männchen können sich so Kilometer weit Gehör verschaffen. Dieser königliche Hang zur lautstarken Selbstdarstellung kommt bei der Laubfrosch-Damenwelt an. Um die Wirkung auf die Weibchen noch zu steigern, rufen benachbarte Schreihälse sogar oft im Duett. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die größten Männchen oft auch die kräftigsten Stimmen haben und damit die stärkste Anziehungskraft auf die Froschköniginnen ausüben. Aber das Rufen dient nicht nur der Anlockung der Weibchen, auch Männchen entnehmen den Rufen, wo die kräftigsten Männchen viele Weibchen anlocken, dorthin wandern sie, um im Schatten der Starken auch zum Zuge zu kommen. Laubfrösche rufen sich so regelrecht zu teilweise sehr großen Gruppen zusammen.

Ergebnis einer erfolgreichen Beschallung und Anlockung der Weibchen sind durchschnittlich 7 kleine goldgelbe Laichballen mit jeweils etwa 500 Eiern.

In Leipzig waren die Laubfrösche in den 80er Jahren fast verschwunden. Flussbegradigungen, massierter Einsatz von Gift und Dünger in der Landwirtschaft und Zerstörung des feuchten Auwaldes im Gebiet der Lauer (heute Cospudener See) hatten ganze Arbeit geleistet. In letzter Minute gelang es einer Gruppe von Naturschützern um Justus Örtner und Roland Zitschke den DDR-Behörden abzuringen, die zur Verfüllung vorgesehenen Papitzer Lehmlachen zwischen Leipzig und Schkeuditz zu erhalten und unter Schutz zu stellen. Im nördlichen Auwald um die Lehmlachen waren neben Rotbauchunken Leipzigs letzte Laubfrösche erhalten geblieben. In jahrelanger mühevoller Arbeit ist es dem Kreisverband Leipzig des Nabu gelungen, die Lebensbedingungen für die Lurche dort so zu verbessern, dass es zur Laichzeit an den Papitzer Lachen wieder einige tausend Exemplare gibt, die seit etwa 10 Jahren auch wieder beginnen, geeignete und inzwischen sanierte Lebensräume in und um Leipzig neu zu besiedeln. An den Kulkwitzer Lachen kann man ihr lautes "tektektektek" ebenso wieder hören wie an der Ritzschke im Leipziger Osten. Selbst in einigen Kleingärten sind Laubfrösche eingewandert, wenn es dort fischfreie kleine Teiche gibt, die nicht zu verkrautet sind. Sehr wichtig ist, dass der Nabu Halle sich ebenfalls intensiv um den Erhalt der Lebensräume des Laubfrosches im Auwald bemüht. So konnte sich zwischen Halle und Leipzig wieder eine große Population herausbilden und Inzucht verhindert werden.

Um dem Laubfrosch wieder auf die Sprünge zu helfen, muss der schleichende Schwund an Kleingewässern gestoppt werden. Viele kleine Einzelmaßnahmen sind erforderlich, um die Restbestände mit einem erweiterten Netz kleiner und fischfreier Laichplätze zu fördern und wieder eine Ausbreitung der Art zu ermöglichen. Auch die Entwertung vorhandener Laichgewässer durch übermäßigen Nährstoffeintrag, Verschlammung und Fischbesatz gilt es zu verhindern.
Dr. Leonhard Kasek [08.01.2008]
zurück zur Übersicht "Flora und Fauna am Kulki" - Tierwelt
Informationsseiten des Nabu:
•  Informationsseiten des Nabu: "Natur des Jahres" im Überblick der Jahre 2003, 2004, 2005, 2006 sowie aktuell 2007
Weitere interessante Informationensbereiche auf unseren Internetseiten:
•  Jahrgänge des Magazin Grün-AS: Ausgaben der Jahre 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006 sowie der Jahrgang 2007
•  Jahrgänge unserer Presseinformationen: Artikel der Jahre 1992, 1993, 1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008 sowie Jahrgang 2009
•  Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
•  Allgemein: Historisches, Aktuelle Veranstaltungen am Kulkwitzer See oder auch Digitale Grußkarten vom See
Rückblick auf 30 Jahre Leipzig-Grünau - Special zum Jubiläum 2006
•  Informationen, Wissenswertes und Presseartikel zum Jubiläum "30 Jahre Leipzig-Grünau" 2006 finden Sie unter www.30-jahre-gruenau.de.
Letzte Änderung dieser Seite: 19.02.2008 01:13 • © 2000-2012 Nabu, KV LeipzigImpressumW3C valid HTML 4.01Zum Seitenanfang