Fischotter am Kulkwitzer See?

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Vor etwa 5 Jahren sind die ersten Fischotter nach vielen Jahrzehnten in Leipzig wieder aufgetaucht. Erst waren es Vermutungen aus Spuren, dann schuf ein überfahrenes Otterweibchen bei Schkeuditz Gewissheit. Inzwischen hat eine Untersuchung des Umweltforschungszentrums gezeigt, dass die Fischotter alle ihnen zusagende Gewässer in und um Leipzig besiedelt haben.

Einst gab es Fischotter an allen geeigneten Gewässern in ganz Deutschland. Da sie zum Teil erhebliche Schäden in Fischteichen verursacht haben, wurden sie erbarmungslos verfolgt. Es gab mit den sogenannten Otterstechern sogar Profis, die sich auf das Abschlachten der Otter spezialisiert hatten und es gab Prämien für jeden toten Otter. Als dann noch verstärkt Reusen zur Fischerei eingesetzt worden sind, in denen viele Otter ertranken und die Flüsse sich tote, stinkende Chemieströme verwandelten, gerieten die Otter an den Rand des Aussterbens. Nur dank strenger Schutzmaßnahmen überlebten einige Tiere in der Magdeburger Behörde und in der Lausitzer Teichlandschaft. Seit den 70er Jahren nahm der Bestand langsam zu und Mecklenburg und die Lausitz hatten wieder einen stabilen Bestand. Als mit dem Ende der DDR die Flüsse durch den Kollaps der Industrie schlagartig sauberer und wieder von Fischen bewohnbar wurden und wegen mangelnder Rentabilität viele Reusen verschwanden, begann eine zügige Wiederbesiedlung der Seen, Weiher und Flüsse durch die Otter. Nun gibt es sie auch in Leipzig, wahrscheinlich auch am Kulkwitzer See.

Durch die jahrhundertelange rücksichtslose Verfolgung sind Otter sehr scheue, nachtaktive Tiere geworden, die nur sehr schwer zu beobachten sind. Der Wildpark hat daher die unserem heimischen sehr ähnliche kanadische Unterart in Pflege. Im dünnbesiedelten Kanada wurden Otter nicht bis an den Rand der Ausrottung verfolgt. Sie sind daher weniger scheu und auch tagaktiv, so dass sie auch von den Wildparkbesuchern beobachtet werden können. Wenn die Otter auch bei uns nicht mehr verfolgt werden, besteht Hoffnung, dass sie in einigen Jahrzehnten weniger scheu sind und sich auch bei uns wieder in freier Wildbahn beobachten lassen. Nach den Untersuchungen des Umweltforschungszentrums wurde der Konflikt mit den Teichwirten durch Zäunen weitgehend entschärft. In Tschechien und Österreich drängen die Teichwirte aber weiter auf Ausrottung.

Die Kopf-Rumpf-Länge des Eurasischen Fischotters beträgt 55 bis 95 cm, wobei Weibchen kleiner sind als Männchen. Der Schwanz ist 26 bis 55 cm lang und dient als Bewegungs- und Ruderorgan. Die Tiere sind nuss- bis schwarzbraun und auf der Unterseite etwas heller. Ihre Körperbehaarung ist sehr gleichmäßig, vorwiegend kurz und glänzend. Die Fischotterfüße sind zwischen den Zehen mit Schwimmhäuten ausgestattet, damit sind Fischotter an das Leben im Wasser hervorragend angepasst. Durch diese Schwimmhäute sind Spuren von Ottern gut im nassen Schlamm zu erkennen. Der Fischotter kann an Land und im Wasser leben, was als "semiaquatisch" bezeichnet wird. Die Tiere können unter Wasser einige Minuten die Luft anhalten und jagen in der Zeit ihre Beute.

Sie zählen zu den uferliebenden Säugetierarten. Den idealen Lebensraum kennzeichnet eine reiche Gliederung des Gewässers und seines Ufers. Die Fischotter nutzen die ganze strukturelle Vielfalt einer intakten Aue. Nicht nur sauberes, klares Wasser ist im Hinblick auf ihre Ernährung mit Fischen von Bedeutung. Ebenso wichtig ist die Gestalt des Gewässers und seiner Randbereiche: Unterspülte Ufer, Flachwasserzonen und Strukturreichtum sowohl unter Wasser als auch am Ufer sind nicht nur wichtig, um Beutetiere zu überraschen und zu fangen, sondern stellen auch die Ansprüche der Beutetiere an ihren Lebensraum dar. Kleine Halbinseln und Sandbänke nutzen Otter, um ihre Beute zu verzehren und auszuruhen. Deckung bietende Bäume und Sträucher im Randbereich dienen als Unterschlupf. Gern halten sie sich auch in den etwas abseits vom fließenden Wasser gelegene Stillgewässer der Altarme auf. Am Kulkwitzer See sind diese Ansprüche am ehesten in den Uferabschnitten nordwestlich von Göhrenz erfüllt.

Die Reviergröße ist vom Nahrungsangebot und der Verfügbarkeit von Unterschlüpfen abhängig. Im Revier, dessen Grenzen durch Kot markiert werden, sind meist ein unterirdischer Hauptbau und mehrere Fluchtunterschlüpfe vorhanden. Otter legen selten eigene Baue an. Gerne benutzen sie ufernahe Dachs- oder Fuchsbaue sowie aufgegebene Biberbaue.

Die Bezeichnung Fischotter legt nahe, dass sie ausschließlich Fische als Nahrung verzehren. Tatsächlich verzehren sie diese auch, insgesamt nutzen die Otter aber ein breites Spektrum an Beutetieren. Dazu zählen insbesondere Insekten, Lurche, Wasservögel, Kleinsäuger, Krebse und Mollusken. Da sie vor allem kranke und schwache Tiere fressen, leisten sie auch einen Beitrag zur Gesunderhaltung ihrer Beutetiere.

Im Mitteleuropa können sich Fischotter das ganz Jahr über vermehren, im Nordosten Deutschlands werden die Jungen häufig zwischen Mai und September zur Welt gebracht. Die Tragzeit liegt bei 60 bis 71 Tagen und die Wurfgröße umfasst 1 bis 5 (meist 2) Junge. Die Neugeborenen haben kurzes, dunkles Haar. Nach etwa 35 Tagen öffnen sie die Augen. Die Jungen bleiben mehrere Monate bei der Mutter, das Männchen wird vom Wurfplatz verjagt. Bereits nach einem Vierteljahr können junge Fischotter meisterhaft schwimmen und tauchen. Sie erreichen meist im 3. Lebensjahr die Geschlechtsreife und können 10 bis 15 Jahre alt werden.

Außer dem Menschen hat der Otter kaum Feinde. Insbesondere dem Straßenverkehr fallen viele Fischotter zum Opfer. Um diese Gefahrenschwerpunkte zu reduzieren, müssen Migrationskorridore und Durchlässe an Straßen für den Fischotter geschaffen werden. Trotz der allmählichen Wiederbesiedlung der Gewässer ist der Fischotter in der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands nach wie vor bundesweit als »Vom Aussterben bedroht« eingestuft.

Insofern ist es schon eine kleine Sensation, dass diese schönen, intelligenten Tiere nun auch wieder in Leipzig heimisch sind. Mit ihnen kommen nun alle heimischen Marderarten: Hermlin, Mauswiesel, Steinmarder, Baummarder, Iltis und Dachs in Leipzig wieder vor. Bald werden ihnen die Biber folgen, die von der Saale kommend in Sachsen-Anhalt bereits die Elster erreicht haben und im Osten gerade dabei sind, die Umgebung von Machern zu besiedeln. In Städten wie Berlin, Dessau oder München leben sie längst in der Stadt, auch in Leipzig werden sie sich wieder ansiedeln. Einzeltiere tauchen ab und zu bereits seit etwa 10 Jahren am nördlichen Stadtrand auf, aber noch hat sich keine Biberfamilie in Leipzig angesiedelt.
Dr. Leonhard Kasek [10.10.2007]
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