Der Turmfalke - Vogel des Jahres 2007

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Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, haben den Turmfalken zum "Vogel des Jahres 2007" gekürt. Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist mit seinen rund 35 Zentimetern Körpergröße und 75 Zentimetern Flügelspannweite ein kleiner Verwandter des ersten Jahresvogels überhaupt, dem 1971 gewählten Wanderfalken. Im Gegensatz zum damals vom Aussterben bedrohten Wanderfalken ist der Turmfalke kein ganz seltener Vogel, in der Stadt ist er sogar der häufigste Greifvogel und auch in Grünau und am Kulkwitzer See kann man ihn regelmäßig beim Jagen beobachten. Dennoch gehen die Bestandszahlen langsam, aber stetig zurück, auch in Leipzig. Freie Flächen in der Innenstadt und vor allem am Stadtrand werden zunehmend versiegelt, Nistmöglichkeiten an geeigneten Gebäuden bei Sanierungen häufig verschlossen und Kirchtürme oftmals von außen unzugänglich gemacht. Dem Turmfalken fehle es zunehmend an Nistplätzen und Nahrungsangebot. Zwar gibt es Bemühungen durch Nistkästen gegen zu steuern. Aber das reicht nicht aus, den Rückgang zu stoppen. Denn auch die offenen Landschaften - sein bevorzugtes Jagdrevier - werden immer eintöniger oder mit Wald aufgeforstet. Es fehlen zunehmend Hecken, einzelne Bäume und Pfähle, die der Vogel als Ansitz für die Jagd nutzt.

Der Turmfalke ist wie die anderen Greifvögel auch durch den Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln in der Landwirtschaft bedroht. Als Endglieder in der Nahrungskette werden sie durch ihre Beute, die sich vom Feld ernährt, regelrecht vergiftet. Eine naturverträgliche Landwirtschaft mit breiten Acker- und Wegrändern, die ohne Insektizide und Pestizide auskommt, seien wichtige Schutzmaßnahmen für den Turmfalken und andere Greifvögel. Eines der wichtigsten Kennzeichen des Turmfalken ist der Rüttelflug. Dabei späht er mit heftigen Flügelschlägen und breit gefächertem Schwanz in der Luft stehend nach Mäusen, Eidechsen und Insekten, die er im schnellen Stoßflug geschickt erbeutet. Wer helfen will, Turmfalken (und andere Tiere der freien Landschaft zu schützen) zu schützen sollte bevorzugt giftfrei angebaute Bioprodukte aus unserer Region kaufen und sich dafür einsetzen, dass in der Agrarlandschaft genügend Hecken und Raine geschaffen werden. Wichtig ist es auch, in Kleingärten auf chemische Gifte zu verzichten. Es hilft auch, den Vögeln Jagdgebiete zu erhalten, wenn die Stadt Wiesen nur noch zweimal pro Jahr mäht. Am Kulkwitzer See könnten die Lebensbedingungen für die Falken verbessert werden, wenn die Ödlandflächen zB am Rodelberg regelmäßig von Schafen abgeweidet würden. Und nicht zuletzt bieten viele der Grünauer Wohnblocks gute Möglichkeiten Nistkästen für Falken anzubringen.

Es gibt inzwischen auch wieder Wanderfalken in und um Leipzig. Sie waren in den 60er Jahren im gesamten Bezirk Leipzig ausgestorben. Ursache war der verstärkte Gifteinsatz, vor allem des berüchtigten DDT in der Landwirtschaft. In den 90er Jahren wurde der Wanderfalke auf dem Betriebsgelände von Dow chemical und des angrenzenden Kraftwerkes von EnBW in Schkopau bei Halle wieder angesiedelt und beginnt sich wieder in unserer Region auszubreiten. Mit viel Glück kann man sie auch über Grünau sehen. Die dritte Falkenart der Region Leipzig ist der Baumfalke. Er lebt vor allem in der Bergbaufolgelandschaft. Baumfalken sind etwa so groß wie Turmfalken, von diesen aber durch ihre blau-graue Färbung leicht zu unterscheiden. Die ähnlich wie die Baumfalken gefärbten Wanderfalken sind erheblich größer.

Weitere Artikel und Informationen zum Vogel des Jahres:
•  Der Kleiber - die Stimme unserer Buchen- und Eichenwälder - Vogel des Jahres 2006
•  Der Zaunkönig - Vogel des Jahres 2004
•  Der Mauersegler - Vogel des Jahres 2003
•  Der Haussperling - Vogel des Jahres 2002
•  Der Haubentaucher - Vogel des Jahres 2001
Informationen finden Sie auch unter www.vogel-des-jahres.de, einschließlich Aufnahmen und Porträts der sonstigen Jahreswesen.
Dr. Leonhard Kasek [06.01.2007]
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