Der Mauersegler - Vogel des Jahres 2003
Noch sind die kleinen schwarzen Vögel in Grünau recht häufig. Sie flitzen im Sommer in kleinen Trupps mit lauten
srih-srih-srih-Rufen durch die Straßen. Viele Grünauer halten sie für Schwalben. Aber mit denen sind sie nicht
verwandt. Mauersegler sind auch keine Singvögel, sondern dehören zur Kolibri-Verwandschaft. Ursprünglich waren
sie Felsenbrüter oder bauten ihre Nester hoch oben unter starken Ästen alter Bäume. In Süddeutschland gibt es
noch eine kleine Population, die auf alte Weise lebt. Die anderen sind in die Städte gezogen und brüten dort
hoch oben unter Dachvorsprüngen, in defekten Verschalungen und in Mauerlöchern. Wichtig ist, daß das Nest vor
Regen geschützt ist und unter dem Nest genügend Fallhöhe ist. Mauersegler haben zwar kräftige Füße und Krallen,
mit denen sie sich gut festhalten können. Aber ihre Beine sind so kurz, daß sie von ebner Erde nicht abfliegen
können. Ein Mauersegler, der zur Landung auf dem Boden gezwungen war oder sich in eine Wohnung verflogen hat
und dort gelandet ist, kann ohne Hilfe nicht wieder auffliegen. Wer so einen Vogel findet, sollte ihn aufheben
und hoch in die freie Luft werfen. Starten sie vom Nest lassen sie sich fallen und fliegen dann los. Einmal in
der Luft sind sie unübertroffen. Mauersegler sind unsere schnellsten und gewandesten Vögel. Außer der Brut findet
ihr gesamtes Leben in der Luft statt: Sie jagen im Flug Insekten, trinken im Tiefflug aus Pfützen und Gewässern
und schlafen sogar im Flug. Dafür brauchen sie viel Futter. Nähert sich eine Kaltfront mit Regen, so daß wenig
Insekten umher fliegen, ziehen sich die Mauersegler in den Süden zurück, sobald das schlimmste vorbei ist und
wieder reichlich Insekten umherschwirren, sind auch die Mauersegler wieder da. Ihre Jungen fallen inzwischen in
eine Art Kältestarre, aus der sie erst erwachen wenn die Eltern mit Futter zurück sind.
Mauersegler kommen erst Anfang Mai wieder zu uns. Sie schließen die Rückkehr der Zugvögel ab und sie sind die
ersten, die uns wieder verlassen. Schon Anfang August brechen sie in ihre Winterquartiere nach Südafrika auf.
Vereinzelt lassen sich aber dennoch bis Oktober Mauersegler bei uns beobachten. Das sind Durchzügler aus Schweden,
Norwegen und Finnland. Mit der Sanierung der Häuser verlieren Mauersegler ihre Nistplätze. Statt defekter Mauern
sind sie nun auf spezielle Nistkästen angewiesen. Die nehmen sie gern an, wenn sie richtig angebracht wurden: hoch,
geschützt und immer mehrere zusammen: Mauersegler brüten am liebsten in kleinen Kolonien. Ihre Wahl zum Vogel
des Jahres soll uns mahnen, die in den Nischen unsanierter Häuser wohnenden Vögel nicht zu vergessen, wenn alles
in Schuß gebracht wird. Für mich gehören Juni und die lauten Jagden der Mauersegler durch die Straßen fest zusammen.
Liefern wir ihnen auch in Zukunft ausreichend Nistplätze, damit sie weiter unsere Nachbarn bleiben können.
Weitere Artikel und Informationen zum Vogel des Jahres:
• Der Turmfalke - Vogel des Jahres 2007
• Der Kleiber - die Stimme unserer Buchen- und Eichenwälder - Vogel des Jahres 2006
• Der Zaunkönig - Vogel des Jahres 2004
• Der Haussperling - Vogel des Jahres 2002
• Der Haubentaucher - Vogel des Jahres 2001
Informationen finden Sie auch unter www.vogel-des-jahres.de, einschließlich Aufnahmen und Porträts der sonstigen Jahreswesen.
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