Wasserratten
Eine wissenschaftlich genau definierte Art "Wasserratte" gibt es nicht. Vor allem zwei Arten, erhalten, wenn sie
am Wasser vorkommen, den Namen Wasserratte. Sie heißen wissenschaftlich exakt: Große Schermaus (Arvicola terrestris)
und Wanderratte (Rattus norvegicus). Beide Arten kommen am Kulkwitzer See vor. Die Große Schermaus lebt
ursprünglich im feuchten Boden im Umland von Gewässern. Von hier aus ist sie in Gärten vorgedrungen und
richtet dort als Wühlratte erheblichen Schaden an. Arvicola terrestris ist 12-22 cm lang und wiegt 60-120g. Die
Färbung des Felles kann sehr unterschiedlich sein, d.h. hier können sowohl sandfarbene, helle Töne vorherrschen
als auch dunkelbraune Farben; an den Seiten und auf der Bauchseite treten bevorzugt hellere Farben auf.
Charakteristisch ist der stumpfe Kopf mit den kleinen, im Pelz verschwindenden Ohren und ein kurz behaarter,
leicht geringelter Schwanz (ca. halbe Körperlänge).
Die Schermaus ist ein reiner Pflanzenfresser (Wurzeln, Rhizome, Knollen und Zwiebeln), nur sehr selten nehmen
Sie auch tierische Nahrung auf (kleine Insekten und Würmer). Befallen werden frische, saftige Wurzeln von
Obstbäumen, Laub- und Nadelbäumen (z.B. Eiche, Pappel), Ziergehölze (z.B. Rosen, Holunder), Gemüse (z.B.
Kohlgemüse, Möhren) aber auch Gräser und krautige Pflanzen. Queckenrhizome, in denen Zucker gespeichert wird,
fressen sie sehr gern und schleppen sie wie auch Topinamburknollen als Vorrat in ihre Nester. Auch Fallobst
zählt zum Nahrungsspektrum.
Wühlmäuse sind mit Ausnahme der Paarungszeit Einzelgänger, d.h. die unterirdischen Gänge werden nur von einem
einzelnen Tier genutzt. Zu benachbarten Gangsystemen besteht keine Verbindung. Zu jedem Bau gehören ein bis
zwei Nester und im Herbst und Winter auch Vorratskammern, in denen Wurzelstücke gelagert werden. Wühlmäuse
sind tag- und nachtaktive Tiere mit einem - auch im Winter - abwechselnden Rhythmus von 2-3 Stunden
Aktivität und 3-4 Stunden Ruhezeit. Die Vermehrung der Tiere findet ab März/April bis September/Oktober
statt. Insgesamt werden in dieser Zeit vom Weibchen 2-4 Würfe abgesetzt bei durchschnittlich 4 Jungen (2-7);
von der Begattung bis zur Geburt vergehen nur etwa 3 Wochen. Die Jungtiere vom Frühjahr werden dabei noch
im gleichen Jahr geschlechtsreif, d.h. theoretisch könnte ein Weibchen im Jahr bis zu 40 Nachkommen
produzieren. Die Lebensdauer der Tiere beträgt nur etwa 2 Jahre. Das Gangsystem einer Wühlmaus ist - im
Gegensatz zum Maulwurf - deutlich hochoval, glatt, fest und ohne Pflanzenreste. Geöffnete Gänge werden
innerhalb weniger Minuten bis Stunden wieder verschlossen. Die Erdhaufen selbst sind flach, eher unauffällig
und auch nicht so häufig, mit Wurzeln durchsetzt und werden seitlich vom eigentlichen Gangsystem aus
aufgeschüttet.
Maßnahmen zum Vertreiben der Tiere mit Hilfe von Schallwellen, Resonanzschwingungen, seismischen
Schwingungen, Rückstoßschwingungen, Infraschall- und Ultraschallwellen und ähnlicher Mechanismen
sind nicht wirksam. Die von der Werbung hochgepriesenen Geräte sind reine Geldverschwendung. Ebenfalls
keine Wirkung haben eingegrabene Glasscherben oder Pflanzen mit einem abschreckendem Geruch (z.B.
Kaiserkrone oder Knoblauch, bei Nahrungsmangel werden diese Pflanzen auch anstandslos mitgefressen,
nur wenn es genug anderes Futter gibt, werden sie eher gemieden, ohne aber in ihrer Nähe wachsende
Leckerbissen zu verschmähen). Da sie sehr gern Tompinamburknollen fressen, kann man diese
anspruchslose Pflanze im Garten in Ecken weit genug von Obstbäumen, Möhren und Blumenzwiebeln
entfernt als Ablenkfütterung pflanzen.
Nur der Einsatz von Fallen und als Notwehr Giftköder helfen wirklich. Zumindest eine zeitlang helfen
auch Haare. Wenn sie möglichst dicht um die zu schützenden Knollen, Zwiebeln usw. im Boden vergraben
werden. Haare werden aber im Boden zersetzt und sind dann ähnlich Hornspänen ein guter
Stickstoffdünger. Im Sommer helfen sie daher höchstens 4 bis 6 Wochen, im Winter bis 3 Monaten.
Abschreckend wirkt hier der Geruch nach Mensch. Die Fernwirkung ist aber nicht groß, zumal die
Tiere schnell lernen, dass die Haare ungefährlich sind. Wühlmäuse können auch Krankheiten auf den
Menschen übertragen (z.B. die Nagetierpest Tularämie).
Die zweite Art, die am Wasser als Wasserratte bezeichnet wird, ist die Wanderratte. Die Wanderratte
stammt ursprünglich aus Zentralasien und Nordchina. Sie hat sich als Kulturfolger des Menschen in
alle Welt ausgebreitet. Knochenfunde der Wanderratte in Schleswig-Holstein wurden auf das 9. bis 10.
Jahrhundert datiert. Ab dem 18. Jahrhundert begann eine starke Verbreitung. Bedingt durch die
veränderte Lebensweise der Menschen, den Bau moderner Häuser und die Kanalisation konnte sich die
Wanderratte stark vermehren. Sie schwimmt sehr gut, klettern ist dagegen nicht ihre Stärke. Gerade
in modernen Großstädten findet sie ideale Bedingungen vor. In Leipzig dürfte mindestens eine
Wanderratte je Einwohner leben. Sie erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 21 bis 28 cm, eine
Schwanzlänge von 17 bis 25 cm und ein Gewicht zwischen 250 g und 550 g. Der Schwanz ist fast so
lang wie der Körper und die Ohren sind im Gegensatz zur Schermaus, bei der sie nur wenig aus dem
Fell herausragen, deutlich zu sehen. Wanderratten sind grau-braun und oft etwas struppig. Die
Wanderratte ist ein Allesfresser. Sie nimmt gern und viel tierische Nahrung zu sich. Sie kann
sich aber auch zeitweilig von ausschließlich pflanzlicher Nahrung ernähren, in Kolonien von
Wasservögeln lebt sie wiederum als reiner Fleischfresser. Im Gegensatz zur Schermaus werden
Wanderratten als Haustiere gehalten (Weiße Ratte, bei Gruftis beliebt, und als Labortier). Dort
sollte man sie sehr abwechslungsreich ernähren, ein gutes Grundfutter ist Gerste.
Das Verhalten der Wanderratte ist sehr anpassungsfähig. Wanderratten sind sehr lernfähig und
gehören zu den intelligentesten Säugetieren. In einem Nest können mehrere Weibchen gleichzeitig
einen Wurf von 6 bis 10 Jungtieren großziehen. Wenn die Mutter ausfällt, übernimmt ein anderes
weibliches Tier die Brutpflege. Die Jungtiere haben ein ausgeprägtes Spielverhalten, eine
weibliche Ratte kann in ihrem Leben 6 bis 8 Würfe aufziehen. Im Freiland wird eine Wanderratte
allerdings kaum älter als ein Jahr. Die Wanderratte ist ein soziales Tier, sie lebt in Gruppen
von 50 bis 60 Individuen, die Gruppen bestehen zumeist aus einem Männchen und mehreren Weibchen
und Jungtieren. Wanderratten sind nicht wanderfreudig wie ihr Namen suggeriert, sondern sie
besetzen feste Reviere und verteidigen diese gegen Artgenossen. Die Angehörigen einer Gruppe
erkennen sich am gruppenspezifischen Geruch. In Gruppen von Wanderratten können Erfahrungen,
die einzelne Gruppenmitglieder gemacht haben, an andere Mitglieder weitergegeben werden.
Die Wanderratte ist in unserer Kultur das vielleicht verhassteste Säugetier überhaupt. Dazu
hat beigetragen, dass sie ein äußerst erfolgreicher Vorratsschädling ist und Krankheiten
überträgt. Außerdem greifen Ratten, in die Enge getrieben, zu ihrer Verteidigung auch Menschen
an. Sie können aber auch Leitungen, Zelte und Wohnwagen beschädigen, um an Nahrung zu kommen.
Am Kulkwitzer See leben sie vorwiegend von Abfällen und nehmen gelegentlich die Nester von
Wasservögeln aus. Überall dort, wo reichlich Abfälle in der Landschaft entsorgt werden, vor
und um Kioske und auf dem Campingplatz gibt es am Kulkwitzer See reichlich Wanderratten. Wer
Abfälle, vor allem Lebensmittelreste einfach wegwirft, sorgt damit für das Wohlergehen der
Ratten, sehr zum Schaden von Mensch und Tier. Wirksam bekämpft werden können die Wanderratten
durch sorgfältiges Verwahren aller Lebensmittel und Futtervorräte, ordnungsgemäße Beseitigung
aller Lebensmittelreste, vor allem Reste von Fleischmahlzeiten und Wurst gehören daher auch
nicht auf den Komposthaufen. Dass Lebensmittelreste nicht in die Landschaft geworfen werden,
versteht sich von selbst. Ansonsten helfen nur Fallen und Giftköder.
Gelegentlich werden auch die ebenfalls am See vorkommende Bisamratte, die aber viel größer
ist und die Wasserspitzmaus als Wasserratte bezeichnet. Die Wasserspitzmaus ist aber kein
Nagetier, sondern ein mit Igel, Gartenspitzmaus und Maulwurf verwandter Insektenfresser.
Beide Wasserrattenarten haben am Kulkwitzer See reichlich natürliche Feinde: Mäusebussard
und roter Milan jagen sie und nachts vor allem die Schleiereule. Wagen sie sich zu weit
aufs Wasser können sie den Speiseplan größerer Hechte und Welse bereichern. Der wahrscheinlich
erfolgreichste Rattenjäger am See ist aber der Iltis. Auch seine Verwandten aus der
Marderfamilie, vor allem Mink und Hermlin, jagen die Ratten am See. Ein weiterer sehr
erfolgreicher Rattenjäger ist der Fuchs. Seit die Füchse auch in Leipziger Wohngebieten
leben, ist dort die Zahl der Ratten deutlich zurückgegangen. Selbst der nicht sehr beliebte
Maulwurf beteiligt sich an der Jagd auf die Wühlratten: er nimmt ihre Nester aus und
frisst die Jungen. Wühlratten meiden daher im Frühjahr und Sommer, wenn sie Junge haben,
Maulwurfsreviere. Erst im Winter, wenn die Nahrung knapp wird und sie keinen Nachwuchs
mehr haben, dringen sie auch in Maulwurfsgebiete ein und benutzen wahrscheinlich auch
die Gänge des Maulwurfes, um schneller an nährstoffreiche, saftige Wurzeln und Rhizome
zu kommen.
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• Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
• Allgemein:
Historisches, Aktuelle Veranstaltungen am Kulkwitzer See oder auch Digitale Grußkarten vom See
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