"Junggesellentrupps" schreiten nicht zur Brut

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Hobby - Ornithologe Dietmar Heyder beobachtet seit Jahrzehnten die gefiederte Tierwelt der Region

Es geht dem Vogelvolk offenbar wie den Menschen: Die Singles sind im Vormarsch. Das beobachtete jedenfalls Hobby - Ornithologe Dietmar Heyder bei den Schwänen in unseren Breiten.

"Wir haben in Leipzig zur Zeit nur noch zwei Brutpaare", erläutert Heyder, der viele Stunden seiner Freizeit damit verbringt, die gefiederten Gesellen in unseren Breiten zu beobachten. Voriges Jahr sei Nachwuchs lediglich in der Rückmarsdorfer Sandgrube und in den Schönauer Lachen großgezogen worden. Am Kulkwitzer See, wo bislang immer ein bis zwei Familien für Nachwuchs sorgten, ist nur noch ein Paar am Markranstädter Ufer mit Elternpflichten betraut. "Das Weibchen ist 1995 am See zur Welt gekommen und hat ihn wegen eines kranken Flügels nie verlassen können", sagt Heyder. Dennoch fand sie einen Liebhaber, mit dem sie fünf Schwanenkinder hatte und der sich allabendlich als wehrhafter Familienvater beweist, wenn die Junggesellen von den Feldern zurück zum See kommen. "Bis 1980 ging es zahlenmäßig zunächst bergauf mit den Schwänen in unserer Region, doch diese Zeiten sind vorbei", so der Fachmann. Wer im Winter die Trupps stattlicher Schwäne auf Feldern oder am Kulkwitzer See entdeckte, mochte wohl meinen, diese Vögel vermehren sich weiter. Doch der Schein trügt. "Von etwa 180 Schwänen, die abends am See einflogen, waren gerade mal 25 Jungtiere", so Heyder. Es sind Großteils Junggesellentrupps, Singles, die nicht zur Brut schreiten", bedauert er. Die Ursache für dieses Verhalten kennt er nicht. Vielleicht liegt es an der vermehrten Fütterung, dass sie nicht mehr in Brutstimmung kommen, vermutet er.

Doch nicht nur den Schwänen, gilt Heyders Aufmerksamkeit. Seit vier Jahrzehnten beobachtet er die Vogelwelt, beringt Jungtiere und steht in engem Kontakt mit der Vogelwarte Hiddensee. "Es ist schon ein zeitaufwendiges Hobby", sagt der Seebenischer. Und Geschick braucht er auch, denn die Vögel lassen sich nicht so einfach beringen. Doch er beherrscht die Kunst des Vogelfangens. Wenn ihn dabei Passanten beobachten und ihn nach dem Zweck seines Tuns ausfragen, hat Heyder damit kein Problem. "Es ist doch gut, wenn sich die Leute um die Tiere sorgen. Gesundes Misstrauen ist in jedem Fall in Ordnung". Mit Hilfe eines Faltblattes oder einer Fachsimpelei klärt er gern auf.

Der Kulkwitzer See ist für den Vogelkundler ein kleines Paradies vor den Toren der Großstadt. Während den Cospudener See vor allem Saat- und Blessgänse ansteuern, die mehr Ruhe brauchen, haben am "Kulki" in den zurückliegenden Wochen neben Schwänen auch Bless- und Teichrallen, Haubentaucher, Komorane, Stock-, Tafel- und Reiherenten sowie die seltene Kolbenente, Lach-, Sturm-, Silber- und Weißkopfmöwen sowie Wasserpieper Station gemacht.

Und nicht zuletzt kann jeder Tag noch einen Überraschungsgast bringen, denn: "Die Vögel haben Flügel, die sie überallhin tragen."

Weitere Informationen:
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•  Bilderserie Besuch bei Familie Schwan im Herbst des Jahres 2001
•  Lesen Sie auch: Flora und Fauna - Tierwelt - Artikel: Am Kulki zu Hause - Die kleine "Familie Schwan"
Leipziger Volkszeitung - Cornelia Lachmann [20.07.2002]
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