Der Seidenschwanz - Winterlicher Besuch aus dem hohen Norden

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Seidenschwanz-Einflug nach Deutschland / Beobachtungen dem NABU melden

Wer in diesen Tagen einen hohen, fein zwitschernden Vogelruf vernimmt, sollte sich genau umschauen. Denn es sind wieder Seidenschwänze zu Gast, die aus dem hohen Norden den Weg nach Deutschland gefunden haben. Wie auch Tannenhäher oder Bergfinken sind Seidenschwänze so genannte Invasionsvögel, die alle paar Jahre massenhaft aus ihren nördlichen Brutgebieten abwandern. Früher galten die Invasionen der Seidenschwänze, die im Zusammenhang mit extremen Wetterlagen stehen, als Vorboten drohenden Unheils. Sie wurden daher Pestvögel genannt. Dabei sind die Ursachen solcher Massenwanderungen noch nicht vollständig geklärt. Ein Auslöser ist wahrscheinlich früh einsetzender Frost und Schneefall, der die im Winter ohnehin herrschende Nahrungsknappheit derart verschärft, dass sich die Vögel in großen Scharen auf den Weg machen, um neue Nahrungsquellen zu finden.

Während Seidenschwänze im Sommerhalbjahr vor allem Insekten fressen, steigen die Vögel in der kalten
Jahreszeit komplett auf Früchte um. In Trupps von 10 bis 50 Vögeln, manchmal aber auch 200 und mehr, machen sie sich bei uns in Gärten und Parks über Bäume und Sträucher her. Neben Ebereschen, Ligusterbeeren, Hagebutten, Äpfeln und Birnen mögen sie besonders die weißen Früchte der Misteln.
Die exotisch anmutenden Seidenschwänze - mit wissenschaftlichem Namen Bombycilla garrulus - sind ursprünglich in den nördlichen Waldgebieten von Sibirien bis Skandinavien beheimatet. Sie sind etwa starengroß, mit einer großen, spitz zulaufenden Kopfhaube und einem kurzen Schwanz. Die Gefieder-Oberseite ist rötlichbraun, die Unterseite dagegen graubraun. Besonders auffällige Merkmale sind die gelbe Schwanzspitze, gelb-weiße Farbtupfer an den Flügelspitzen sowie leuchtend rote Hornplättchen an den inneren Armschwingen; im ersten Lebensjahr fehlen die roten Plättchen oft noch.
Ihren Namen haben die Vögel von der sehr weichen und seidigen Federstruktur.

Eine der stärksten je festgestellten Invasionen fand im vorigen Winter statt, also von 2004 auf 2005. Der aktuelle, deutlich schwächere Einflug deutete sich bereits im Oktober an, als in Südschweden vermehrt Seidenschwänze gesichtet wurden. Wir bitten alle Beobachtungen von Seidenschwänzen an den Nabu-Kreisverband Leipzig zu melden: Zollikofer Str. 21, 04315 Leipzig, Telefon: 0341/8664477, Mail: kv.leipzig@nabu-sachsen.de.
Dr. Leonhard Kasek [16.04.2006]
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