Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist "Insekt des Jahres 2006"

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Als Glücksbringer erfreut sich der Siebenpunkt-Marienkäfer großer Beliebtheit. Das Kuratorium "Insekt des Jahres" hat nun entschieden, den populären Krabbler - mit wissenschaftlichem Namen Coccinella septempunctata - zum "Insekt des Jahres 2006" zu küren. Die Proklamation erfolgt zum zweiten Mal gemeinsam mit der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft.

Die Zahl Sieben, in diesem Fall die Anzahl schwarzer Punkte auf den roten Flügeldecken des Käfers, galt schon seit je her als Glückszahl und mystische Zahl, vereint sie doch in sich die irdische Vier (vier Elemente) und die göttliche Dreizahl. Marienkäfer sollen Kinder beschützen und Kranke heilen. Sie galten etwa als geheiligte Tiere der Freya, der germanischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Bereits eine etwa 20.000 Jahre alte Schnitzerei aus Mammutelfenbein zeigt einen Marienkäfer. Auch heute finden sich Marienkäfer-Motive in Hülle und Fülle im Handel als Lampenschirme, Kuschel-, Schoko-, Glastiere oder Schlüsselanhänger. Fakt ist, dass beim Anblick der Käfer mit den wunderbaren roten Flügeldecken und den sieben Glückspunkten weder von Kindern noch Erwachsenen "Igitt"-Ausrufe zu hören sind. Marienkäfer gehören zu den wenigen Insekten, die fast alle kennen und die rundherum beliebt und populär sind. Ihr sehr guter Ruf spiegelt sich auch darin, dass es sehr viele regionale Namen gibt. In Sachsen heißen sie Moodschegiebchen. Glück für den Käfer! Und er hat noch mehr Glück: Vögel verschmähen das bitter schmeckende Tier und werden durch seine rote Warnfarbe abgeschreckt. Die Menschen stufen ihn als Nützling ein, da die Larven und die Käfer große Mengen an Blattläusen vertilgen. Für die Bauern im Mittelalter waren sie ein Geschenk der heiligen Maria; daher der Name. Langzeituntersuchungen zeigen, dass die Käfer im Getreidefeld auf jeden Fall gefördert werden sollen.

Die Puppen des Siebenpunkts. Sie erinnern oberflächlich an Kartoffelkäfer und werden daher oft als "Schädlinge" getötet. Der Siebenpunkt gehört zur großen Familie der Marienkäfer (Coccinellidae). Weltweit kennt man etwa 5.500 Arten vor allem in den Tropen und Subtropen. In Deutschland wurden bisher 80 Arten nachgewiesen. Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass die Zahl der Punkte etwas mit dem Alter des Käfers zu tun hätte. Die Zahl der Punkte ist aber sein ganzes, maximal einjähriges Leben lang gleich. Nur deren Größe nimmt von West nach Ost zu. Larve und Käfer sind beide fleißige Blattlausjäger. 100 bis 150 Pflanzen saugende Blattläuse frisst ein solcher Käfer täglich. Ebenfalls recht gefräßig sind die Marienkäferlarven, die deshalb Blattlauslöwen genannt werden. Jede einzelne Larve verspeist in den drei Wochen bis zu ihrer Verpuppung zwischen 400 und 600 Blattläuse. Die Nachkommen eines einzigen Marienkäfers können so während des Sommers an die 100.000 Läuse vertilgen. Dabei geraten sie häufig mit Ameisen in Konflikt. Ameisen fressen sehr gern die süßen Ausscheidungen der Blattläuse (auch Bienen sammeln die und bereiten daraus den auch von Menschen geschätzten Waldhonig). Um sich die zu sichern, bewachen sie die Blattläuse und greifen deren Gegner an. Als Gegenmittel sondern die Marienkäfer einen für Ameisen giftigen, übel riechenden Saft ab. Das lässt sich leicht beobachten, wenn man sie in die Hand nimmt.

Für den Gärtner ist der Marienkäfer also tatsächlich ein echter Glückskäfer. Auf den Einsatz der Giftspritze kann man daher getrost verzichten. Chemische Gifte schädigen zudem häufig auch die natürlichen Verbündeten des Gärtners, entweder direkt oder durch Entzug ihrer Nahrungsgrundlage. Ein gewisser Besatz an Läusen ist nicht nur völlig normal, sondern für das Überleben der Marienkäfer auch geradezu notwendig und sollte daher toleriert werden. Wer sich nicht alleine auf die Nützlinge im Garten verlassen will, der kann mit Tees, Brühen und Aufgüssen die Pflanzen in seinem Garten vorbeugend stärken, aber auch mit natürlichen Spritzmitteln den Läusen zu Leibe rücken. So wirken beispielsweise Rhabarber- oder Rainfarnbrühe gegen Läuse.

Nach einem Gifteinsatz erholen sich die Schädlinge meist viel schneller als ihre Feinde, die mit ihrer Beute mitvergiftet worden sind. Unbehelligt von natürlichen Gegenspielern können sie nun richtig loslegen. Das ist der Fluch der Giftspritzerei: Statt weniger Schädlinge werden es im Garten immer mehr.

Außer den Marienkäfern haben Blattläuse noch viele anderen Feinde: die Larven von Schwebfliegen und Florfliegen, Laufkäfer, Ohrkneifer, viele Singvögel und sogar Weinbergschnecken fressen gern Blattläuse. Der Marienkäfer wurde Insekt des Jahres, um an biologische Schädlingsbekämpfung zu erinnern und daran zu mahnen, auf die viele Nützlinge und harmlose Tiere mit tötende Giftspritze zu verzichten. Chemische Gifte, die nur die angezielten Schädlinge töten und alle andere Natur unbeeinflusst lassen gibt es nicht.

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Dr. Leonhard Kasek [12.04.2006]
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