Rabenvögel am Kulkwitzer See
Am See brüten 3 Arten von Rabenvögeln und weitere 3 halten sich zumindest ab und zu in der Umgebung auf.
Alle diese Arten sind Allesfresser und außerordentlich intelligent. Rabenvögel gehören übrigens zu den Singvögeln,
der Kolkrabe ist damit der größte einheimische Singvogel. Sie sind dank ihres breiten Nahrungsspektrums und ihrer
geistigen Leistungsfähigkeit sehr anpassungsfähig und haben wohl nur deshalb bis zur Gegenwart überlebt, denn die
Menschen mögen die meisten Arten der Rabenvögel nicht und haben sie bis in die Gegenwart heftig verfolgt und
bekämpft. Das gilt im Moment besonders für die am See häufigste Art: die Elster. Sie hat unter den Vögeln ein
ähnlich schlechtes Image wie die Ratten unter den Säugetieren. Im Gegensatz zur Ratte hat die Elster den Hass
vieler Menschen aber nicht verdient.
Es sah einmal ganz so aus, als sei die Elster vom Aussterben bedroht. Intensive Verfolgung hatte die
schwarz-weißen Vögel so selten werden lassen, dass selbst Jäger für ihren Schutz plädierten. Nach dem
Zweiten Weltkrieg erlebten die Elstern eine ganz andere Krise: Ihre Heimat, die Feldflur, veränderte sich
von Grund auf: Hecken wurden beseitigt, Grünland umgepflügt, Wegraine totgespritzt. Die Charaktervögel einer
naturnahen, abwechslungsreichen Landschaft mussten ausweichen. Sie zogen in Gartenvororte und die Parks der
Städte - eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Hier finden sie das ganze Jahr über bestes Futter auf
Komposthaufen und in Abfallkörben, können auf Parkwiesen Kleingetier sammeln, Futterreste an Parkteichen
aufpicken und überfahrene Tiere an Straßenrändern auflesen. Elstern sind Allesfresser. Sie suchen vorwiegend
am Boden ihr Futter und machen sich dabei auch nützlich, sie fressen auch gern Schnecken, Mäuse und Raupen.
Bei Gartenbesitzern sind Elstern jedoch meist unbeliebt. Sie gelten als Singvogelkiller, obwohl diese nur
15-20 Prozent der Nahrung ausmachen, und obwohl Amseln, Buchfinken, Kohlmeisen und andere Kleinvögel in
Nachbarschaft von Elstern trotzdem höchste Siedlungsdichten erreichen. Mit ihrer hohen Nachkommenzahl können
diese nämlich die Verluste des einen oder anderen Jungvogels mühelos verkraften.
Etwa 80% bis 90% der jungen Singvögel werden nicht erwachsen. Das wird durch die hohe Zahl der Nachkommen
bereits ausgeglichen. Neben Elstern und den anderen Rabenvögeln gehen auch Raubvögel auf Singvogeljagd,
viele fallen auch Eichhörnchen, herumstreunenden Katzen und Mardern zum Opfer. Überleben zu viele, leben
zu viele Vögel auf engem Raum, breiten sich Krankheiten aus, die die Singvögel meist stärker dezimieren
als die Tiere, die ihnen nachstellen.
Elstern bauen eindrucksvolle Nester, von denen jedoch nur etwa jedes fünfte tatsächlich auch zur Brut
genutzt wird. Das fast kugelförmige Nest wird meist in einem der höchsten Laubbäume der Umgebung angelegt.
Diese Nester dienen vielen Greifvögeln und Eulen als Grundlage für ihr eigenes Nest: einige können selbst
keine stabiles Nest bauen und sind auf Elsternester als Basis angewiesen.
In Leipzig sind sie inzwischen wieder überall häufig. Die Stadt bietet ein gutes Nahrungsangebot (Abfall,
Komposthäufen, Schulhöfe etc.) und Schutz vor Feinden wie dem Habicht oder der Rabenkrähe, die gerne
Elsternnester ausräubert. Doch auch in den neu besiedelten Gebieten kann der Bestand der Elstern nur bis
zu einer natürlichen Grenze anwachsen, aber nicht überhand nehmen.
Die immer wieder behaupteten oder befürchteten Übervermehrungen von Rabenvögeln finden nachweislich nicht
statt. Rabenvögel weisen in vielen Untersuchungen stabile Bestände auf, die keineswegs "in den Himmel wachsen".
Dies können sie auch nicht, denn jeder Lebensraum kann nur einer begrenzten Zahl an Rabenvögeln Quartiere,
Brutplätze und Nahrung bieten. Auch wenn Elstern und andere Tiere, die Vögel fressen den Bestand an
Singvögeln in Leipzig nicht ernsthaft bedrohen, sind aber tatsächlich eine ganze Reihe von Vogelarten
bedroht. So haben sich die Bestände von Mauerseglern in den letzten Jahren in Leipzig halbiert. Drastisch
zurückgegangen sind auch Rauchschwalben und Mehlschwalben. Selbst der Spatz ist seltner geworden, noch
ist er der häufigste Vogel in Leipzig, aber Amseln und Stare sind ihm hart auf den Fersen.
Ursachen für den Rückgang einer Reihe von Singvogelarten in Leipzig sind nicht die Elstern oder andere
Räuber, sondern Futtermangel und die Zerstörung ihrer Lebensräume. Im Moment verlieren viele Arten, die
an Gebäuden brüten durch die Sanierung ihre Nistplätze. Dabei wäre es kein Problem bei der Sanierung
Nisthilfen zu schaffen. "Unkraut" bestandene Ödlandflächen verschwinden und damit der Lebensraum für
Stieglitze und Hänflinge. Schwalben bekleckern mit ihrem Kot die Wände und ihre Nester werden trotz
Verbotes rigoros beseitigt, obwohl durch Kotbretter (die man leicht auch selbst basteln kann), die
Wände sauber gehalten werden könnten, ohne die Nester zu zerstören. In vielen Gärten wird Gift aller Art
mit vollen Händen ausgebracht, damit wird vielen Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen, nicht nur
Singvögeln. Auch übertriebene Ordnungsliebe im Garten setzt vielen Singvögeln zu: sie finden auf gepflegtem
Rasen kaum etwas zu fressen. Nur extrem anpassungsfähige Vögel, die fast alles fressen wie Amseln und
Stare kommen mit all dem gut zurecht. Es gibt nur einen Räuber, der den Singvögeln wirklich gefährlich
werden kann: den Menschen.
Wer Singvögeln helfen will, kann folgendes tun:
- Verzicht auf Gifte überall dort wo Vögel Futter suchen. Auch Blattläuse werden von vielen Vögeln gern gefressen
- Anpflanzung von heimischen Wildsträuchern, bevorzugt dornigen (Schlehen, Weißdorn, Heckenrosen, Brombeeren, Kreuzdorn, Wildapfel u.a.). Sie bieten Schutz und Futter, keine Elster kann im stachligen Gestrüpp zu einem Nest gelangen. Ziersträucher bieten meist kaum Schutz, vor allem Thuja nicht. Wer Vögel liebt sollte Thujahecken in seinem Garten Hausverbot erteilen.
- Den Rasen möglichst selten mähen und im Gras wachsendes "Unkraut" stehen lassen. Wenig düngen und keine Chemie verwenden, auch nicht angeblich für Bienen und Singvögel unschädliche Mittel.
- Obstbäume oder einheimische Wildsträucher statt Koniferen pflanzen. Aber schon gepflanzte, größere Koniferen erhalten (außer Thuja).
- Vor Hecken einen Saum aus Unkraut stehen lassen, besonders wirkungsvoll sind Brennnesseln. Sie bieten am Boden brütenden Vögeln (u.a. Nachtigall und Rotkehlchen Deckung und Nahrung)
- Abfall- und Dreckecken beseitigen, die Elstern und anderen Räubern üppige Nahrung bieten und damit zur Übervermehrung führen können. Keine Lebensmittelreste einfach in die Landschaft werfen
- Nisthilfen anbringen
- Wände mit Kletterpflanzen bewachsen lassen, auch Innenhöfe möglichst begrünen
- Schnittholz (Äste, Zweige) auf Haufen in Gebüschnähe liegen lassen. Hier brüten u.a. gern Zaunkönige
- Natürlich die Stadtordnung einhalten: während der Brutzeit Hecken nicht verschneiden und möglichst auch das Unkraut unter und direkt vor Hecken nicht beseitigen (kann im Sommer nachgeholt werden, wenn die jungen Vögel ausgeflogen sind).
Am See gibt es große Bestände heimischer Wildsträucher und genügend Unterwuchs, so dass es trotz auch reichlich
vorhandener Räuber wie Elstern, streunende Katzen u.a. reichlich Singvögel gibt.
Die beiden anderen am See brütenden Arten sind Eichelhäher und Rabenkrähe. Rabenkrähen brüten einzeln, finden
sich aber schnell zu größeren Schwärmen zusammen, wenn Gefahr droht und greifen dann auch größere Raubvögel an.
Taucht zB ein Roter Milan über dem Krähennest auf, können sich regelrechte Luftkämpfe entwickeln. Sieger sind
in der Regel die Krähen. Krähen sind wie die Elstern Allesfresser und auch ihre Lebensweise ist ähnlich. Von der
sehr ähnlichen Saatkrähe ist sie am Besten durch den Schnabel zu unterscheiden: Der Schnabel der Rabenkrähe ist
einfarbig dunkel und nie durch Federn bedeckt. Bei jungen Saatkrähen dagegen ist der Schnabel bis zur Mitte von
Federn bedeckt. Bei Erwachsenen Saatkrähen tritt anstelle der Federn eine Art dunkelgrauer Grind, der sich
deutlich vom unteren Teil des Schnabels unterscheidet.
Saatkrähen sind in Leipzig sehr selten geworden. Saatkrähen brüten in großen Kolonien auf Bäumen. Am See und
in seiner Umgebung brüten gegenwärtig keine. Im Winter kommen sie aber in großen Schwärmen aus Nord-Ost-Europa
und Bevölkern dann auch Grünau und die Umgebung des Kulkwitzer Sees. In den Saatkrähenschwärmen fliegen oft
auch Dohlen mit. Sie sind erheblich kleiner als Saatkrähen, ihre Rufe sind heller, klingen manchmal fast wie
schluchzen und ihr Gefieder ist nicht reinschwarz, sondern hat vor allem am Kopf auch dunkelgraue Stellen.
Dohlen brüten in der Umgebung des Kulkwitzer Sees ebenfalls nicht und tauchen hier fast nur als Wintergäste auf.
Dagegen brüten Eichelhäher in der Umgebung des Sees, vor allem im Pappelwald. Eichelhäher obwohl allgegenwärtig
in Parks und Wäldern, sind viel weniger bekannt als die anderen Rabenvögel. Ihr Gefieder ist viel bunter, im
Grundton rotbraun. An ihren Warnrufen (klingen etwa wir Räätzsch-Räätzsch) orientieren sich viele andere Tiere
mit. Eichelhäher übernehmen damit eine Art Frühwarndienst für ihre Nachbarn. Sie räumen wie die anderen
Rabenvögel auch, regelmäßig Vogelnester aus und sind ansonsten Allesfresser. Im Herbst fressen sie vorzugsweise
Eicheln, von denen sie auch ihren Namen haben. Sie legen aus Eicheln auch einen Wintervorrat an. Dabei wird
jede Eichel einzeln in den Boden gesteckt und vorzugsweise an Stellen an denen günstige Wachstumsbedingungen
für Eichen herrschen. Eichelhäher können sich im Winter an Tausende solcher Verstecke erinnern und finden
die Eicheln auch wieder, eine Gedächtnisleistung zu der kein Mensch in der Lage wäre. Auf die Vorräte greifen
die Vögel aber nur zurück, wenn sie nichts anderes finden und der Boden nicht gefroren ist. Meist holen sie
sich daher im Winter nur einen Teil der Vorräte. Die nicht verbrauchten Eicheln keimen im Frühjahr. Für die
Eichelhäher werden sie dann noch einmal interessant: Sie ziehen sie ein kleines Stück aus dem Boden, um die
nährstoffreichen Keimblätter abzufressen. Das schädigt die Minieichen nicht, sondern regt das Wurzelwachstum
an. Auf diese Weise tragen Eichelhäher erheblich zur Verbreitung der heimischen Eichen bei.
Die letzte Art der Rabenvögel die ab und zu in der Umgebung des Sees auftaucht, dort aber (noch?) nicht
brütet, ist der Kolkrabe. Er ist reinschwarz wie die beiden bei uns heimischen Krähenarten, aber mindestens
doppelt so groß wie eine Krähe. Gut zu erkennen sind die Raben auch an ihren knorrigen Raab-Raab-Rufen, von
denen sie ihren Namen haben. Die einst häufigen Kolkraben waren am Ende des zweiten Weltkrieges fast ausgerottet.
Dank strengen Naturschutzes haben sie sich aber gut vermehrt und sind schon vor ca. 30 Jahren auch wieder
nach Sachsen zurück gekehrt. Auch im Leipziger Auwald brüten wieder welche. Vor allem im Herbst und Winter
streifen die großen schwarzen Gesellen weit umher und tauchen dann auch am Kulkwitzer See auf.
Abschließend noch eine Leistung zu ihrer Intelligenz: Raben und Krähen fressen sehr gern Walnüsse, bekommen
sie aber mit ihrem Schnabel nicht auf. In Nordamerika nutzen sie dazu den Autoverkehr: Sie warten an einer
Kreuzung mit einer Nuß darauf, dass die Autos bei rotem Licht halten müssen. Dann platzieren sie die Nuß
genau in die voraussichtliche Fahrspur der Fahrzeuge und ziehen sich bis zur nächsten Rotphase zurück. Dann
kommen sie wieder, um zu fressen. Innerhalb weniger Jahre haben das nahezu alle Rabenvögel übernommen und
praktizieren es jetzt in Nordamerika überall. Raben lassen sich leicht zähmen, sind aber als Haustiere
ungeeignet. Durch ihre Intelligenz, ihre Geschicklichkeit und Neugier bringen sie innerhalb kurzer Zeit jeden
Haushalt total durcheinander. Alle Rabenvögel können Geräusche aus ihrer Umgebung nachahmen, einige, wie die
Dohle, auch menschliche Stimmen. Das ist keine blinde Nachahmung. Die Vögel lernen sehr schnell, welche
Reaktion die von ihnen gekrächzten Worte hervorrufen und nutzen die Worte dann gezielt, um von ihnen gewünschte
Reaktionen von den Menschen ihrer Umgebung zu erhalten.
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• Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
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