Spitzmäuse am See

Spitzmäuse sind durch Bilder weithin bekannt, aber ein lebendes Tier hat kaum jemand gesehen. Mit Mäusen sind
die Tiere nicht verwandt, sondern mit Maulwurf und Igel gehören sie zur Säugetierordnung der Insektenfresser.
Der Name passt: Insekten bilden ihre Hauptnahrung, daneben fressen sie aber auch alle andere Tiere, die sie
überwältigen können, selbst junge Mäuse. Pflanzen rühren sie nicht an. Die kleinen Räuber haben einen
enormen Hunger. Je nach Art wiegt die pro Tag gefressene Beute 50% bis 100% ihres eigenen Gewichtes. Damit
übertreffen sie bezogen auf die Körpergröße alle anderen Raubtiere der Erde. Da die meisten der von ihnen
gefressenen Tiere, vor allem verschiedene Insekten und Schnecken, im Garten durch Fraß an Nutzpflanzen Schaden
anrichten, gelten Spitzmäuse als nützlich. Natürlich sortieren sie ihre Nahrung nicht in Nützlinge und
Schädlinge. Sie fressen auch nützliche Spinnen und Regenwürmer. Nützlich sind sie, wenn es im Garten mehr
Schädlinge als Nützlinge gibt. Das ist die Regel. Insofern sind Spitzmäuse ein wichtiger Bestandteil einer
biologischen Schädlingsbekämpfung. Sie leben je nach Art vorwiegend unter Sträuchern, in Wäldern, auf Ödland,
in Gärten, auf feuchten Wiesen und an Gewässern. Auf den von konventioneller Landwirtschaft genutzten Feldern
können sie nicht überleben. In Grünau und am Kulkwitzer See sind sie daher verbreitet, auf den angrenzenden
Feldern gibt es sie nur in der Nähe von Baumgruppen, Hecken oder Sträuchern.
In Frage kommen kommen in Grünau vor allem folgende Arten: Waldspitzmaus (Sorex araneus), Feldspitzmaus
(Crocidura leucodon) und Hausspitzmaus (Crocidura russula). Die Waldspitzmaus lebt in feuchten Wäldern,
bewohnt aber auch Gärten, wenn es dort reichlich Sträucher gibt. Die beiden anderen Arten bevorzugen
trockenere Standorte. Sie kommen im Winter teilweise in Schuppen, Scheunen und Keller, daher kommt auch
der irreführende Name Hausspitzmaus. Schaden richten sie in Gebäuden keinen an: im Gegenteil als Insektenfresser
können sie in Gebäuden nur überleben, wenn sie dort reichlich Kleintiere finden. Sie helfen damit, wie
übrigens auch Spinnen in Gebäuden, Ungeziefer zu dezimieren.
Haus- und Feldspitzmäuse sind auch durch ein eigenartiges Verhalten bekannt geworden. Bei Gefahr bilden
Mutter und Junge eine Karavane: Ein Junges verbeißt sich in die Schwanzwurzel der Mutter, das nächste
in die Schwanzwurzel des an der Mutter hängenden Jungen usw. Die so gebildete Reihe schlängelt sich dann
sehr schnell durchs Gelände und ähnelt dann auf den ersten Blick tatsächlich einer Schlange. Auf diese
Weise ist gesichert, dass die Mutter auch bei schneller Flucht ihre Jungen nicht verliert.
Am Kulkwitzer See gibt es noch eine vierte Art: Die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens). Sie ist größer als
die anderen drei Arten und erinnert schon an eine kleine Ratte. Ihr gut gefettetes Fell kann Luft
speichern und glänzt daher silbrig, wenn sie unter Wasser schwimmt. Solche unter Wasser schwimmenden
Silberkugeln haben wahrscheinlich schon Besucher des Sees gesehen und für Wasserratten gehalten. Die
Wasserspitzmaus bewohnt verlassene Maulwurfsbaue in Wassernähe oder sie erweitert Mäusebaue. Sie
überwältigt auch erwachsene Mäuse und frisst sie. In erster Linie frisst sie aber im Wasser lebende
Insekten und Weichtiere, auch kleinere Fische. Damit hat sie sich bei Fischzüchtern und Anglern unbeliebt
gemacht. Zu Unrecht: sie erwischt in der Regel nur geschwächte oder kranke Fische und hilft so zu
verhindern, dass sich Fischkrankheiten ausbreiten, die wirklich großen Schaden anrichten.
Ähnlich sensibel sind auch die Süßwasserschwämme, die im Kulkwitzer See gedeihen. Bisher wurden diese
Organismen nur an im Wasser liegenden Baumstämmen und ähnlichen Unterlagen entdeckt. Umso größer war
das Erstaunen der Taucher, als im vergangenen Winter erstmals Schwämme an einer im See stehenden
Feldbahnlore und an einer stählernen Tauchplattform in rund sechs Metern Tiefe gefunden wurden. Die
Süßwasserschwämme seien ein biologisches Reinigungssystem, das die aus Organismenresten und Bakterien
bestehenden Schwebstoffe aus dem Wasser filtere. "Die erreichte Größe von mehr als zehn Zentimetern
spricht für die wirklich optimalen Bedingungen" betont Joachim Weiß. "Chemie und Temperatur müssen
hier perfekt passen."
Um den Spitzmäusen zu helfen, in Grünau und den umgebenden Gärten zu überleben kommt es auf folgendes an:
- Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfung, auch in Vorgärten. Durch ihren großen Nahrungsbedarf
werden Spitzmäuse mit vergiftet.
- Anlage von Steinhaufen oder Holzstößen bzw. größeren Haufen aus Ästen und Zweigen
- Anpflanzung heimischer Sträucher statt Thuja. Diese Sträucher sollten bis zum Boden reichende Äste haben.
- Mindestens unter Sträuchern und Bäumen sollte das Laub im Herbst liegen bleiben. Unter dem Laub
überwintern viele Spinnen und Insekten, Nahrung für die Spitzmäuse, die keinen Winterschlaf halten.
Unter dem Laub finden aber auch Insektenfressende bei uns überwinternde Vögel wie Rotkehlchen oder
Zaunkönig Futter.
- Anlage eines Komposthaufens, wo das möglich ist. Der bietet nicht nur Spitzmäusen sondern auch dem Igel
Quartier und Nahrung.
- Zulassen einiger wilder Ecken, in denen alles wachsen darf was will. Ich habe unseren Garten mit einem
Ultraschalldedektor untersucht. Die meisten Spitzmauslaute habe ich unter der Wildsträucherhecke und
zwischen Brennnesseln geortet. In Grünau leben viele auf größeren Ödlandflächen im Unkraut und unter
größeren Gruppen aus einheimischen Sträuchern. Auch im Schönauer Park gibt es viele.
- Ideal wäre es auch, den Rasen möglichst selten zu mähen und Wildkräuter zwischen dem Gras wachsen zu
lassen. Dann finden sich dort reichlich Insekten ein und die ewig hungrigen Spitzmäuse finden mehr zu fressen.
Dort wo sich Spitzmäuse wohl fühlen, hat die Natur noch Platz im Garten und zwischen den Häusern. Das hilft
auch Igel, Erdkröten, Grasfröschen und vielen anderen Nützlingen. Der Gärtner wird durch viele bunte
Schmetterlinge und weniger Ärger mit Schneckenfraß belohnt.
Unsere heimischen Spitzmäuse werden meist nicht älter als ein bis anderthalb Jahre. Da sie stark nach
Moschus riechen, werden sie in der Regel von Katzen aber Füchsen oder Mardern nicht gefressen, wohl aber
tot gebissen. Daher kann man immer einmal eine tote Spitzmaus finden. Sie sind meist auch tag- oder
dämmerungsaktiv. Sehen können sie dennoch nicht besonders gut. Sie können aber ausgezeichnet riechen,
haben einen empfindlichen Tastsinn und hören sehr gut, auch für uns nicht wahrnehmbare Ultraschallaute,
die sie auch zur Kommunikation nutzen. Zumindest einige Arten, vor allem nachtaktive stehen im Verdacht,
Ultrallschall wie die Fledermäuse zur Orientierung zu benutzen. Einige Arten sind ziemlich stimmfreudig.
Da ihre Stimmen sehr hoch sind, können wir das aber teilweise nicht hören, der hörbare Anteil erinnert
eher an das Zwitschern kleiner Vögel als an Säugetiere. Stammesgeschichtlich gehören die Urahnen der
Spitzmäuse zu den ältesten Säugetieren überhaupt. Sie waren schon zur Saurierzeit auf der Erde aktiv.
Die ältesten Funde Spitzmausähnlicher Tiere sind ca. 135 Mio. Jahre alt. Aus ihnen haben sich später über
die Siptzhörnchen (bzw. Tupajas) von denen auch die Fledermäuse abstammen die Affen und schließlich wir
Menschen entwickelt.
Helfen wir ihnen, damit sie auch in Grünau und am Kulkwitzer See überleben.
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• Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
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