Meine Oma durfte zur Kur

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Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Meine Oma war zur Kur und ich durfte mit. Aber immer der Reihe nach.
Unser Entendoktor hatte im Frühjahr beschlossen, meine Oma zur Kur an einen anderen See zu schicken, etwa 15 Minuten Flugzeit von hier, Richtung Süd-Ost. Sie sollte sich mal so richtig erholen und bekam sogar Flügelmassage, da sie vor allem im rechten Flügel oft Schmerzen verspürte. Zum Glück durfte ich mit, denn meine Mama und mein Papa haben ja kaum Zeit für mich. Also flogen wir los und blieben bis zum Herbst dort. Aber unser Kulki fehlte uns sehr. Waren wir froh, als wir wieder zurück fliegen durften. Das war an einem Samstag. Wir trafen am Vormittag ein und staunten. Was war denn dort an der Tauchschule "Delphin" los? Unermüdlich rannten dort die Menschen mit blauen Tüten umher und sammelten irgendetwas ein. Wir schlichen uns neugierig heran und meine Oma wurde wieder richtig unternehmungslustig, so wie ich sie kenne. "Endlich kann ich die Menschen beobachten, ohne selber gesehen zu werden", schnarrte sie. "Bei uns gibt es ja schöne Bäume und Büsche, so dass wir die Menschen heimlich belauschen können."

Wir watschelten einem Pärchen mit zwei Kindern hinterher. Und dann verstanden wir. Sie sammelten Müll auf, welchen uneinsichtige (oder dumme?) Badegäste hinterlassen hatten. Die vier Sammler trafen auf einen mutigen Badegast, denn es war schon sehr kalt und er trocknete gerade seinen Körper ab, als sie aufeinander trafen. "Da im Gebüsch ist auch noch eine Flasche", meinte er. "Seid ihr von der Stadt, oder ABM oder wie?", erkundigte er sich. Das Pärchen lachte: "Nein, da würde wohl nicht viel passieren. Wir sind Freiwillige, die ihren Kulki lieben und deshalb sorgen wir für Ordnung. Diese Aktion findet einmal im Jahr statt und wird von den Delphinen organisiert." Der nackte Mann staunt und vergisst, seine Körper weiter trocken zu rubbeln.

"Nein, dass es so etwas noch gibt???" Dann beäugte er den Müllbeutel. Leere Flaschen, Glas, Papier, Kunststoff und so weiter. "Das habt ihr alles gesammelt?", fragte er ungläubig. "Das ist schon der dritte Beutel", erwiderte das Pärchen. "Da kann ich mich nur bei ihnen bedanken", sagte der nackte Mann und reichte dem Pärchen seine Hand.

Die vier Sammler liefen zurück. Die Aktion war beendet, der See auf dieser Strandseite beräumt, und im Wasser gab es Dank der Taucher auch keinen Müll mehr. Zum Abschluss bekamen alle Helfer Würstchen und Tee, gratis von der Tauchschule. Meine Oma wollte dann auch zurück und sich ausruhen. Aber zuvor musste sie natürlich ihren Kommentar loslassen. "Der Kulki ist der beste See. Hier kümmern sich Menschen freiwillig um Ordnung und Sauberkeit. Schade nur, dass die vielen Stacheldrahtzäune der Schönheit des Kulki entgegenwirken." Da muss ich meiner Oma wieder mal recht geben.

Ihre Ente Billy
Beate Engelhardt - Quellenangabe: Magazin Grün-AS - www.gruen-as.de [17.10.2004]
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