Artikel zu den Schönauer Lachen in Grünau
| Flächennutzungsplan und Schönauer Lachen |
Die Stadt Leipzig gedenkt der Firma Papenburg Flächen zu verkaufen, damit diese in Schönau ihr
Kiesabbaugebiet erheblich ausdehnen kann. Begründet wird dies damit, dass sonst nach dem
bürgerfeindlichen Bergrecht eine Zwangsenteignung drohe und man dann die Pläne der Firma nicht
mehr beeinflussen könne. Das trifft einen Nerv vieler Grünauer...
Damit liegt es nun an den Bürgern, Einwendungen geltend zu machen und das Planungsamt, sowie den Stadtrat
stärker auf die Belange der Anwohner hinzuweisen. Dabei wäre es wichtig, hier alle Anstrengungen zu unternehmen,
um ein wichtiges Erholungsgebiet für die Grünauer zu erhalten und die Wohnqualität nicht zu verschlechtern.
Und es ist an der Zeit, das bürgerfeindliche Bergrecht zu ändern und die Rechte der betroffenen Bürger zu
stärken.
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| Kiesabbau in Schönau |
Die Firma Papenburg AG hat den Antrag gestellt, den Kiesabbau an den Schönauer Lachen bei Leipzig-Grünau
fortzusetzen. Ursprünglich sollte ein Gebiet betroffen sein, das sich in Ost-West-Richtung vom jetzigen
Kiessee bis zur Kleingartenanlage und an der Lyoner Straße etwa bis zur Kiewer Straße erstreckt. In
Nord-Süd-Richtung geht das Gebiet von der Bahnlinie bis etwa 150 m an die Lyoner Straße heran. Inzwischen
hat die Firma ihren Plan um etwa ein Viertel der Fläche reduziert. Gegenwärtig befinden sich auf diesem
Gebiet eine trockene Wiese, die nicht gedüngt wird und daher sehr artenreich ist, sowie ein Erdbeerfeld.
Der Kiesabbau würde sich in der ursprünglichen Variante bis etwa 2035 hinziehen, mit Verfüllen des
Restloches bis 2040. Nach der reduzierten Variante könnte der Abbau zwischen 2028 und 2030 zu Ende sein.
Bisher hat der Kiesabbau die Grünauer kaum gestört. Was würde sich durch die Erweiterung ändern?
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Das Gebiet ist ein wichtiges Naherholungsgebiet vor allem für die Schönauer, die Bewohner des WK 7 und die
Miltitzer. Es sollte nicht zuletzt daher von der Stadt unter Landschaftsschutz gestellt werden. Da Grünau der
am dichtesten bewohnte Stadtteil ist, werden solche Naherholungsgebiete dringend gebraucht. Durch den Kiesabbau
würde das Gebiet bis mindestens 2030 für die Naherholung verloren sein.
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Das neue Kiesloch soll mit lehmiger Erde verfüllt werden. Im Gegensatz zu Kies ist Lehm sehr schlecht
wasserdurchlässig. Das führt zum Rückstau des Grundwassers mit der Folge, dass das Grundwasser in der
Umgebung teilweise um bis zu 2 m steigt. In Schönau und in Miltitz würde dann ab etwa 2010 das Grundwasser
in nassen Jahren bis zu 1 m unter die Erdoberfläche ansteigen. Unter dem Druck der Stadt und engagierter
Bürger hat die Firma zugesagt, Drainagen einzubauen, aber auch die würden den Grundwasserabfluß einschränken.
Die Keller in diesem Gebiet würden im Wasser stehen, Gärten teilweise versumpfen. Diese Versumpfung würde auch
einige Handwerker in Miltitz und die beiden Chemiewerke betreffen. Dort wären dann Arbeitsplätze bedroht. Wenn
die Chemiewerke als Folge zu hohen Grundwasserstandes woanders hinziehen müssten, würde Miltitz über 200
Arbeitsplätze verlieren. Beim Kiesabbau sind 6 beschäftigt. Solche nährstoffarme Wiesen wie im Gebiet des
geplanten Kiesabbaues sind in unserer intensiv genutzten Landschaft sehr selten geworden. Arten, die auf
solchen Wiesen leben sind daher in Deutschland vom Aussterben bedroht. Auf dieser Wiese brüten existenzbedrohte
Arten wie zB Braunkehlchen, Fitislaubsänger, Wachtel sowie den stark gefährdeten Steinschmätzer. Weiterhin die
Brutvögel der Vogelschutzlinie Anhang I, Schwarzmilan, Rohrweihe, Neuntöter. Für die Heuschreckenfauna wurden
3 in Sachsen seltene bzw. gefährdete Arten ermittelt, die auf vegetationsarmen Sandflächen leben: Langfühler
Dornschrecke, Blauflüglige Ödlandschrecke und Blauflüglige Sandschrecke nachgewiesen. In manchen Jahren wie z.B.
2004 sind sogar schon Wachtelkönige im Gebiet gesehen worden. Auch die seltene Wechselkröte lebt auf dieser
Wiese. Der Kiesabbau würde dafür sorgen, dass diesen Arten in Schönau die Existenzgrundlage entzogen werden.
Die verbleibenden Restflächen reichen nicht aus, damit sich für die inzuchtfreie Fortpflanzung genügend Tiere
im Gebiet halten können. Direkt am vorhandenen Kiessee würde ein kleines Schutzgebiet am Ufer zerstört und das
Flächennaturdenkmal an den Schönauer Lachen würde in seiner Schutzwirkung beeinträchtigt, weil der Lebensraum
für die dort lebenden Tiere spürbar verkleinert wird. Außerdem haben jetzt naturinteressierte Bürger beim
Spazierengehen geschützte Tiere und Pflanzen vor der eigenen Haustür zu erleben. Mit der Erweiterung des
Kiesabbaugebietes wäre das vorbei. Die Situation für die seltenen Arten wird zusätzlich verschärft, weil nicht
weit davon entfernt, am Rückmarsdorfer Wachberg, die Stadtverwaltung vorhat, eine Wiese zum Bebauen frei zu
geben und gerade ein Bebauungsplanverfahren dazu läuft.
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Der Verkehr zum Abtransport des Kieses würde zwar insgesamt nicht zunehmen, aber viel dichter als bisher an
Grünau heranrücken. Das beträfe vor allem die Lyoner Straße und die Saturnstraße und die Burghausener Straße.
Vor allem auf der sehr engen und schlechten Burghausener Straße würde das zu erheblichen Verkehrsbehinderungen
führen und die Lärmbelastung in den angrenzenden Teilen des WK 7 könnte in Spitzenzeiten um bis 30 Dezibel
steigen (das wäre eine Steigerung von der Lautstärke eines normalen Gespräches auf den Lärmpegel eines
anfahrenden Tatrastraßenbahnwagens).
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Dazu kämen vor allem bei Trockenheit und Wind aus nördlichen Richtungen Staubbelastungen in Schönau und im WK 7.
Aus diesen Gründen lehnt der Naturschutzbund den Kiesabbau in diesem Gebiet ab. Der Markt ist mit Sand und
Kies übersättigt. Es gibt also keinen Bedarf, das Abbaugebiet zu Lasten der Grünauer und Miltitzer zu
erweitern. Die Firma will selbst abbauen, weil das billiger ist als kaufen. Allein mit dem Sand und dem
Kies, der über der Kohle liegt und bei deren Förderung zwangsläufig anfällt, könnte der Bedarf in der Region
mehr als gedeckt werden. Im Moment läuft dazu ein Bebauungsplanverfahren, bei dem geprüft wird, ob der
Kiesabbau genehmigt werden kann. Wir hoffen, dass der Stadtrat diese Genehmigung verweigert. Das sächsische
Bergamt ist aber an dieses Votum nicht gebunden und wird wohl doch den Abbau genehmigen. Das Gesetz, auf das
sich das Bergamt dabei stützt, stammt im Kern aus der Nazizeit und soll vor allem im Interesse der
Bergbaufirmen einen wirksamen Einfluß der Bürger ausschalten. Bei diesem Verfahren haben alle betroffenen
Bürger die Möglichkeit, ihre Einwände vorzubringen. Es liegt auch an den Bürgern und ihrem Engagement, ob
in den nächsten Jahrzehnten in Schönau zu Lasten der Lebensqualität der Anwohner Kies abgebaut werden darf
oder nicht. Nur Herr Jurk, Sachsens Wirtschaftsminister, dem das Bergamt unterstellt ist, könnte durch ein
Machtwort den Abbau verhindern. Vor allem aber muß dieses Berggesetz weg, mit dem die Nazis einen schnellen
Abbau von Rohstoffen ohne Rücksicht auf Bürgerinteressen zur Versorgung im vorbereiteten Krieg durchdrücken
wollten. Auch wenn das Gesetz inzwischen Mehrfach geändert worden, der bürgerfeindliche Kern ist noch immer
vorhanden.
Weitere Informationen zu diesem Artikel:
• Plangebiet (Bebaungsplan) Schönauer Lachen
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| Über die Schönauer Lachen... |
Das Flächennaturdenkmal "Sumpfgebiet Schönauer Lachen" gehört wegen seiner reichhaltigen Wasserpflanzenflora
seit 1985 zu den Naturschutzgebieten der Stadt Leipzig. Die Schönauer Lachen sind mit dem Lindenauer Hafenbau
entstanden, als man weite Teile des Hafengeländes entlang der Lützner Straße bis auf Grundwassertiefe
ausgebaggert hatte. Nordöstlich von Alt Schönau befinden sich 2 weitere Naturschutzgebiete, die Schönauer
Wiesenlache und die Rückmarsdorfer Sandgrube, die Ende der 50er Jahres entstanden und inzwischen zu einem
Dorado für Wasservögel geworden sind. Die seit 1976 aufgeschüttete Halde wurde in das Naherholungsgebiet
"Schönauer Lachen" einbezogen und stellt eine Aussichtsplattform dar. Von diesem Aussichtspunkt haben
Spaziergänger eine sehr interessante Aussicht in Richtung Grünau, Leipzig, Rückmarsdorf, Böhlitz Ehrenberg,
Miltitz und Markranstädt.
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